Johannes 1,50: Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“

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Griechischer Text

1,50 ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ· ὅτι εἶπόν σοι ὅτι εἶδόν σε ὑποκάτω τῆς συκῆς, πιστεύεις; μείζω τούτων ὄψῃ.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Grundform Morphologie und Syntax Grundbedeutung und Funktion
ἀπεκρίθη ἀποκρίνομαι Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular. Deponentisch beziehungsweise medial-passivisch gebildet, hier mit aktivischer Bedeutung. „er antwortete“. Das Verb leitet die Antwort Jesu auf Nathanaels Bekenntnis ein.
Ἰησοῦς Ἰησοῦς Nominativ Maskulinum Singular; Subjekt zu ἀπεκρίθη und εἶπεν. „Jesus“. Er ist der Handelnde und Sprecher des Satzes.
καὶ καί Koordinierende Konjunktion. „und“. Die Konjunktion verbindet das Antworten mit dem anschließenden Sprechen.
εἶπεν λέγω Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular. „er sagte“ beziehungsweise „er sprach“. Der Aorist bezeichnet das Sprechen als zusammenhängende Handlung.
αὐτῷ αὐτός Dativ Maskulinum Neutrum Singular; Personal- beziehungsweise Bezugpronomen. „zu ihm“. Der Dativ bezeichnet den Adressaten der Rede, Nathanael.
ὅτι ὅτι Einleitende Konjunktion; sie eröffnet hier den von εἶπεν abhängigen Redeinhalt beziehungsweise eine Begründung. „dass“ oder, im argumentativen Zusammenhang, „weil“. Jesus nimmt auf seine vorherige Aussage Bezug.
εἶπόν λέγω Aorist Aktiv Indikativ, 1. Person Singular. Die Form ist durch den Akzent von der 3.-Person-Singular-Form εἶπεν unterschieden. „ich sagte“ beziehungsweise „ich habe gesagt“. Jesus erinnert Nathanael an seine eigene vorherige Aussage.
σοι σύ Dativ Singular des Personalpronomens der 2. Person. „dir“. Der Dativ bezeichnet den Empfänger der früheren Mitteilung.
ὅτι ὅτι Einleitende Konjunktion vor einer finiten Verbform; sie führt den Inhalt von εἶδόν ein. „dass“. Dieses zweite ὅτι macht ausdrücklich, was Jesus Nathanael gesagt hat: „dass ich dich gesehen habe“.
εἶδόν ὁράω Aorist Aktiv Indikativ, 1. Person Singular. „ich sah“ beziehungsweise „ich habe gesehen“. Die Handlung des Sehens wird als abgeschlossene Wahrnehmung dargestellt.
σε σύ Akkusativ Singular des Personalpronomens der 2. Person; direktes Objekt zu εἶδόν. „dich“. Nathanael ist derjenige, den Jesus gesehen hat.
ὑποκάτω ὑποκάτω Adverb beziehungsweise Präposition mit Genitiv. „unter“. Die Form bestimmt zusammen mit τῆς συκῆς den Ort des Geschehens.
τῆς ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Genitiv Femininum Singular; Kongruenz mit συκῆς. „des“. Der Artikel markiert die bestimmte Feige beziehungsweise den bestimmten Feigenbaum.
συκῆς συκῆ Genitiv Femininum Singular. „Feige“ beziehungsweise in der Ortsangabe „Feigenbaum“. Zusammen mit ὑποκάτω bezeichnet die Genitivgruppe den Ort: „unter dem Feigenbaum“.
πιστεύεις πιστεύω Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular. Als selbstständige Verbform mit Frageintonation gebraucht. „glaubst du?“ Die direkte Frage richtet sich an Nathanael und stellt seinen Glauben angesichts der vorausgehenden Erkenntnis Jesu heraus.
μείζω μέγας Komparativform, Neutrum Plural Akkusativ oder Nominativ. Hier substantivisch beziehungsweise elliptisch gebraucht und mit τούτων verglichen. „Größeres“ oder „größere Dinge“. Die Form eröffnet die Verheißung einer noch größeren Offenbarung.
τούτων οὗτος Demonstrativpronomen, Genitiv Neutrum Plural. „als diese“ beziehungsweise „als dies“. Der Genitiv dient als Vergleichsbezug zu μείζω und verweist auf das zuvor Gesagte und Gesehene.
ὄψῃ ὁράω Futur Medium Indikativ, 2. Person Singular; die mittlere Form hat hier aktivische Bedeutung. „du wirst sehen“. Die Form bildet die abschließende Zusage Jesu an Nathanael.

Wörtliche Übersetzung

Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“

Flüssigere Übersetzung

Jesus antwortete ihm: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe? Du wirst noch Größeres sehen.“

Philologische Hinweise

1. ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ

Die Erzählformel ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ verbindet Antwort und Rede eng miteinander. ἀπεκρίθη ist formal ein Aorist Passiv Indikativ von ἀποκρίνομαι. Das Verb wird jedoch deponentisch beziehungsweise in einer passivisch geformten, aktivisch verstandenen Weise gebraucht: „er antwortete“. Das Subjekt Ἰησοῦς steht im Nominativ, während αὐτῷ im Dativ den Empfänger der Rede bezeichnet. Der zweite Aorist εἶπεν von λέγω führt den konkreten Inhalt der Antwort ein.

2. Die beiden ὅτι-Fügungen

Der Satz enthält zweimal ὅτι, jedoch mit unterschiedlicher syntaktischer Reichweite. Das erste ὅτι folgt auf εἶπεν und eröffnet den anschließenden Rede- oder Begründungszusammenhang. Es kann daher als „dass“ gelesen werden: „er sagte, dass …“. Im unmittelbaren argumentativen Zusammenhang ist auch eine kausale Wiedergabe mit „weil“ möglich: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe …“. Die genaue deutsche Zeichensetzung und Übersetzung hängt davon ab, ob man die Frage als Rückfrage nach dem Grund des Glaubens oder stärker als Feststellung mit anschließender Frage versteht.

Das zweite ὅτι steht vor εἶδόν und ist inhaltlich klarer als inhaltseinleitende Konjunktion zu verstehen. Es gibt den Inhalt der früheren Mitteilung an: Jesus hatte Nathanael gesagt, „dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe“. Dadurch wird die sprachliche Verschachtelung sichtbar: Jesus erinnert an das, was er gesagt hat, und dieses Gesagte bestand darin, dass er Nathanael gesehen hatte.

3. εἶπόν σοι ὅτι εἶδόν σε

εἶπόν ist der Aorist Aktiv Indikativ der ersten Person Singular von λέγω: „ich sagte“ oder im Deutschen idiomatischer „ich habe gesagt“. σοι steht als Dativ beim Verb des Sagens und bezeichnet den Adressaten. εἶδόν ist der Aorist Aktiv Indikativ der ersten Person Singular von ὁράω. Zusammen mit dem Akkusativ σε bildet es die Aussage „ich sah dich“ beziehungsweise „ich habe dich gesehen“. Der Aorist stellt sowohl das Sagen als auch das Sehen als abgeschlossene Vorgänge dar.

4. ὑποκάτω τῆς συκῆς

ὑποκάτω bezeichnet räumlich „unter“ und kann als Präposition den Genitiv regieren. τῆς συκῆς ist eine Genitivgruppe aus Artikel und Substantiv. συκῆ kann lexikalisch „Feige“ bedeuten, in dieser festen Ortsangabe ist jedoch der Feigenbaum gemeint. Die Wendung ὑποκάτω τῆς συκῆς bedeutet somit „unter dem Feigenbaum“. Sie nennt den konkreten Ort, an dem Jesus Nathanael gesehen zu haben erklärt.

5. πιστεύεις als direkte Frage

πιστεύεις ist Präsens Aktiv Indikativ, zweite Person Singular, von πιστεύω. Als isolierte finite Verbform trägt es die direkte Frage: „Glaubst du?“ Das Präsens kann den gegenwärtigen Glaubensakt oder Nathanaels gegenwärtige Haltung bezeichnen. Die Frage greift sein Bekenntnis aus dem vorhergehenden Vers auf und stellt zugleich heraus, ob die begrenzte Erkenntnis über den Feigenbaum bereits der Grund seines Glaubens ist.

6. μείζω τούτων ὄψῃ

Mit μείζω τούτων ὄψῃ folgt eine Zukunftszusage. μείζω ist die Komparativform von μέγας und bedeutet hier substantivisch „Größeres“ beziehungsweise „größere Dinge“. τούτων steht als Genitiv Neutrum Plural und gibt den Vergleichsbezug an: „größer als diese Dinge“ oder idiomatischer „noch Größeres“. ὄψῃ ist die mittlere Futurform der zweiten Person Singular von ὁράω. Sie hat hier aktivische Bedeutung: „du wirst sehen“. Der Satz öffnet den Blick über das gerade Erlebte hinaus. Nathanaels Erkenntnis soll nicht auf Jesu Wissen um seinen Aufenthaltsort begrenzt bleiben, sondern in eine umfassendere Wahrnehmung der Offenbarung Jesu führen.

7. Der argumentative Verlauf

Jesu Antwort nimmt Nathanaels spontanes Bekenntnis ernst, relativiert es jedoch zugleich in seiner Erkenntnisgrundlage. Die Frage πιστεύεις? kann als prüfende Rückfrage verstanden werden: Reicht die Mitteilung über das Sehen unter dem Feigenbaum aus, um zu glauben? Die anschließende Zusage μείζω τούτων ὄψῃ weist über dieses einzelne Zeichen hinaus. Philologisch verbindet der Vers daher Erinnerung, Frage und Verheißung in einer kurzen, stark verdichteten Rede.

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