JHWH = Gott = Allah ?

Ist der Gott der Juden (im Wesentlichen) gleich dem Gott der Christen und gleich dem Gott der Muslime?

Und vielleicht auch gleich dem Gott des Bahaismus?

Keine einfache Frage.

Wenn man genauer hinschaut gibt es Unterschiede, und je genauer man schaut, umso mehr. Ist die Antwort daher “nein”?

Betrachten wir einen Tetraeder.

Dreht diesen Tetraeder https://www.geogebra.org/m/xnmxvfss in alle Richtungen. Ein Stück nach links, oben, rechts unten

und weiterdrehen.

Geht auf die Webside https://www.geogebra.org/m/xnmxvfss und tut es wirklich.

Und ihr seht die Bilder: *) ***)

Anu, Marduk, El, Baal, Anat, JHWH, GOTT, Allah, Bahá, Dharmakaya, Ishvara, Waheguru, Ahura Mazda und Angra Mainyu, Ranginui und Papatūānuku, Ngalyod Wagyl, Baiame, Wakan Tanka, Olodumare, Aton, Amaterasu Omikami, Danu, Odin, Quetzalcoatl, … **)


Fußnoten

*) Betrachten wir die verschiedenen Bilder des Tetraeders: Jedes Bild zeigt eine andere Sicht, Masse haben sich geändert, Linien verkürzt oder verlängert, Seitenflächen kommen zum Vorschein oder verkleinern sich zu einer Linie, verschwinden. Aus dem jeweiligen Blickwinkel bzw. Standpunkt betrachtet, ist jedes dieser Bilder einmalig. Und durch seine Eigenschaften von allen anderen Bildern genau unterscheidbar.

**) Und natürlich kann man jedem dieser Bilder einen Namen geben. Warum nicht die Namen von Göttern. Mit mit jeder kleinen Drehung wird aus einem Gott wie Anu ein anderer wie Marduk oder El, von El weiter zu Baal und Anat. Von El dreht man auch weiter zu JHWH, GOTT und Allah, von dem zu Bahá. Und immer so weiter.

Mesopotamische und kanaanäische (levantinische) Götter:

Anu: Der sumerische und babylonische Himmelsgott. Er gilt als König und Urvater aller Götter.


Marduk: Der Hauptgott der Stadt Babylon. Er besiegte den Chaosdrachen Tiamat und stieg zum Herrscher des Universums auf.


El: Der höchste Schöpfergott im kanaanäischen (phönizischen) Pantheon. Er wird oft als weiser, gütiger Greis dargestellt.


Baal: Der kanaanäische Gott des Sturms, des Regens und der Fruchtbarkeit. Er ist der Sohn von El und der aktive Herrscher der Welt.


Anat: Die Schwester und Gefährtin von Baal. Sie ist die kanaanäische Göttin des Krieges, der Jagd und der wilden Natur.

Abrahamitische Religionen (Monotheismus)

JHWH (Jahwe): Das hebräische Tetragramm (vier Buchstaben). Es ist der heilige Eigenname des einzigen, absoluten Gottes im Judentum.


GOTT: Der deutsche Begriff für das höchste Wesen. Im Christentum bezeichnet er den einen Schöpfer, der sich dreifaltig offenbart (Vater, Sohn und Heiliger Geist).


Allah: Das arabische Wort für Gott. Es bezeichnet den absolut einzigartigen, unteilbaren Schöpfergott im Islam.


Bahá: Ein arabisches Wort für „Herrlichkeit“ oder „Glanz“. Im Bahaitum gilt es als der größte Name Gottes und symbolisiert das göttliche Wesen.


Östliche Religionen und Philosophien

Dharmakaya: Der „Körper der Wahrheit“ im Mahayana-Buddhismus. Er beschreibt keine Person, sondern die unmanifestierte, unendliche und absolute Realität aller Dinge.


Ishvara: Der Begriff für einen persönlichen, allmächtigen Gott im Hinduismus, der das Universum erschafft, erhält und auflöst.


Waheguru: Der Name für Gott im Sikhismus. Es bedeutet übersetzt „Wunderbarer Lehrer“ und bezeichnet das eine, formlose göttliche Licht.


Zoroastrismus (Persien)

Ahura Mazda: Der höchste Gott des Lichts, der Wahrheit, der Weisheit und der kosmischen Ordnung im altpersischen Zoroastrismus.


Angra Mainyu (Ahriman): Der zerstörerische Geist des Bösen, der Lüge und der Dunkelheit. Er ist der ewige Gegenspieler von Ahura Mazda.

Indigene und schamanische Religionen

Ranginui und Papatūānuku: Das Ur-Elternpaar in der Mythologie der Māori (Neuseeland). Ranginui ist der Himmelsvater, Papatūānuku ist die Erdmutter.


Ngalyod / Wagyl: Regionale Namen für die Regenbogenschlange in der Mythologie der australischen Aborigines. Sie gestaltete die Landschaft, erschuf Flüsse und hütet das Lebenswasser.


Baiame: Der oberste Schöpfergott und Himmelsvater der Aborigines im Südosten Australiens. Er gab den Menschen ihre Gesetze und Bräuche.


Wakan Tanka: Das „Große Geheimnis“ oder die universelle heilige Kraft in der Religion der Lakota-Sioux (Nordamerika). Es durchdringt das gesamte Universum.


Olodumare: Der höchste, allmächtige Schöpfergott in der Religion der Yoruba (Westafrika) und den daraus entstandenen afroamerikanischen Religionen.

Weitere antike Hochkulturen

Aton: Die Sonnenscheibe, die unter Pharao Echnaton im alten Ägypten zum einzigen Gott erhoben wurde. Dies gilt als einer der ersten monotheistischen Ansätze der Geschichte.


Amaterasu Omikami: Die wichtigste Sonnengöttin im japanischen Shintoismus. Sie regiert den Himmel und gilt als mythologische Ahnherrin des japanischen Kaiserhauses.


Danu: Die universelle Muttergöttin in der keltischen Mythologie. Sie ist eng mit der Erde, der Fruchtbarkeit und der Weisheit verbunden.


Odin: Der Göttervater in der nordischen und germanischen Mythologie. Er ist der Herrscher von Asgard und Gott der Weisheit, des Krieges, der Magie und der Dichtkunst.


Quetzalcoatl: Die „Gefiederte Schlange“ in der Mythologie der Azteken und anderer mesoamerikanischer Kulturen. Er ist der Gott des Windes, des Himmels, des Lernens und der Fruchtbarkeit.


Unter Betrachtung der so erzeugten individuellen und eindeutig unterscheidbaren Bilder läßt sich für die Götter sagen: Sie alle sind individuell und eindeutig unterscheidbar. Und im Umkehrschluß daher:

Der eigene Gott ist nicht gleich dem Gott eines anderen.



***) Aber nun ändern wir die Perspektive. Wir treten einen Schritt zurück und fragen uns: was betrachten wir wirklich? Einen Tetraeder, den man drehen und wenden kann. Als gleichseitiger Tetraeder der erste der fünf platonischen Körper. Und egal wie gedreht, der Tetraeder bleibt der Selbe. Daher liegt der Schluß nahe:

Hinter den verschiedenen Gottesbildern verbirgt sich die platonische Idee des einen universellen vielfältigen Gottes.


Da haben wir uns nun abgemüht, und stehen nun vor zwei Aussagen. Welche davon ist wahr? Müßen wir uns nach dem Grundsatz “Tertium non datur” für eine der beiden entscheiden, oder können wir beide für wahr halten? Oder haben wir es mit einem echten “Gödel” zu tun? Die Wahrheit der Aussagen läßt sich in unserem System nicht entscheiden?

Lieber Leser, liebe Leserin, ich überlasse Dir die Entscheidung.


Ein Nachtrag für alle “Fundis” unter uns:
Jesaja sagt als Sprecher Gottes in 45,5: „Ich bin der HERR und sonst keiner mehr, außer mir gibt es keinen Gott.“
Und der Psalmist bekennt in Ps. 115,4–5 „Ihre Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht.“
Deuteronomium 4,35: „Dir ist es gezeigt worden, damit du wüsstest, dass der HERR Gott ist und kein anderer außer ihm.“
“Fundis” haben es leicht.

Was sagt uns eine Krankheit wie Demenz über ein Leben nach dem Tod? Wenn das Ich schon im Diesseits verschwindet, ist dann noch was da für’s Jenseits?

Was sagt uns eine Krankheit wie Demenz über ein Leben nach dem Tod?

Demenz lässt uns erkennen, wie zerbrechlich das „Ich“ ist. Gedanken, Erinnerungen und persönliche Eigenheiten verblassen, und es fühlt sich an, als würde ein Teil des geliebten Menschen schon vor dem physischen Tod verschwinden. Arthur Schopenhauer schrieb: „Das Leben und der Traum sind Blätter ein und desselben Buches.“ Demenz wirbelt diese Blätter durcheinander und zeigt, wie flüchtig unsere Selbstwahrnehmung sein kann.

Ist unser Ich nur eine Funktion des Gehirns?

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Bewusstsein eng an die biochemischen Prozesse des Gehirns gebunden. Neuronen, Synapsen und elektrische Impulse formen unsere Persönlichkeit und Wahrnehmung. Bei Demenz führen Ablagerungen wie Beta-Amyloid und Tau-Proteine zum schleichenden Zerfall dieser Strukturen. Bertrand Russell formulierte es nüchtern: „Wir sind das Ergebnis zufälliger Zusammenstöße von Atomen.“ Verstummt das Gehirn, verstummt das individuelle Ich.

Gibt es ein unvergängliches Selbst?

Spirituelle Traditionen betonen, dass das wahre Selbst nicht auf das Gehirn beschränkt ist. Die Seele bleibt unversehrt, auch wenn das irdische Bewusstsein schwindet. Augustinus schrieb: „Unsere Herzen sind unruhig, bis sie Ruhe finden in dir.“ So wie bei Russell das Gehirn schweigt, findet bei Augustinus das Herz Ruhe in Gott – zwei Deutungen des gleichen Endpunkts, nur unter anderem Vorzeichen.


Wie deuten andere Religionen die Auflösung des Ichs?

Im Hinduismus gilt das Atman als unsterblich und identisch mit dem göttlichen Brahman. 

Im Buddhismus hingegen zeigt das Konzept des Anatta – der „Nicht-Selbst“-Lehre –, dass das Ich ohnehin nur ein Zusammenspiel vergänglicher Prozesse ist. Demenz macht diese Wahrheit sichtbar. Gleichzeitig verweist der Buddhismus auf ein Kontinuum des Bewusstseins, das über den Tod hinaus fortbesteht.

Ein guter Freund von mir hat gesagt: “Ist das „Ich“ überhaupt relevant? Vielleicht kehrt das größere Ich wie ein Regentropfen in den Ozean zurück – der göttliche Funken heim zu Gott, frei von egoistischen Wünschen. Oder Wird das Ich nur vom kranken Gehirn überdeckt und tritt nach dem Tod erneuert hervor? Oder ist die Demenz der lebendige Beweis für die Wahrheit des Nirvana?” *)

Kann die Vergänglichkeit auch ein Spiegel sein?

Demenz zeigt, dass unser Bewusstsein fragil ist. Wie ein Kind ein Ich aus der Leere entwickelt, so löst es sich im Alter wieder auf. Kierkegaard sagte: „Das Selbst ist eine Beziehung, die sich zu sich selbst verhält.“ Wenn diese Beziehung durch Demenz bricht, bleibt die Frage: Gibt es ein tieferes Selbst jenseits des Gedächtnisses?

Was bleibt von einem Menschen, wenn das Ich verblasst?

Spuren der Liebe. Ein Lächeln, ein guter Rat, eine Berührung – all das bleibt in den Herzen der anderen. Meister Eckhart schrieb: „Was wir in Liebe tun, das bleibt.“ Vielleicht überdauern genau diese unsichtbaren Fäden das Vergessen, sei es als unsterbliche Seele, als Bewusstseinsstrom oder als lebendige Erinnerung.

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*) veröffentlicht mit Zustimmung meines Freundes

Johannes Kap.1

Sehr wörtliche Übersetzung Johannes 1

Vers Text
1,1 Schon im Anfang war das Wort, und das Wort war bei dem Gott, und ein Gott war das Wort.
1,2 Dieser war schon im Anfang bei dem Gott
1,3 Alles wurde durch ihn, und ohne ihn wurde auch nicht eines. Was geworden ist
1,4 In ihm war schon immer Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
1,5 Und das Licht in der Finsternis scheint, und die Finsternis ergriff es nicht
1,6 Es entstand ein Mensch, gesandt von Gott, Name ihm Johannes
1,7 Dieser kam zu einem Zeugnis, damit er über das Licht zeuge, damit alle durch ihn glauben
1,8 Jener war nicht das Licht, sondern damit er über das Licht zeuge
1,9 War das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt kommend
1,10 In der Welt war er, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt erkannte ihn nicht
1,11 In das Eigene kam er, und die Eigenen nahmen ihn nicht auf
1,12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben
1,13 Die nicht aus Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden
1,14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte in uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, Herrlichkeit wie eines Einziggeborenen vom Vater, voll von Gnade und Wahrheit
1,15 Johannes bezeugt über ihn und hat gerufen, sagend: Dieser war es, von dem ich sagte: Der hinter mir Kommende ist vor mir geworden, weil er Erster vor mir war
1,16 Denn aus seiner Fülle empfingen wir alle, und Gnade anstelle von Gnade
1,17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit wurden durch Jesus Christus
1,18 Gott hat niemand jemals gesehen; der einziggeborene Gott, der im Schoß des Vaters ist, jener hat ausgelegt
1,19a Und diese ist das Zeugnis des Johannes:
1,19b Als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen mögen: Du, wer bist?
1,20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: ich bin nicht der Christus
1,21 Und sie fragten ihn: Was nun? Bist du Elija? Und er sagt: Ich bin es nicht. Der Prophet bist du? Und er antwortete: Nein.
1,22 Sie sagten nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir denen, die uns gesandt haben, eine Antwort geben: Was sagst du über dich selbst?
1,23 Er sagte: Ich, Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der Prophet, sagte.
1,24 Und gesandt waren sie von den Pharisäern.
1,25 Und sie fragten ihn und sagten zu ihm: Warum also taufst du, wenn du nicht bist der Christus, noch Elia, noch der Prophet?
1,26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt.
1,27 Der nach mir Kommende, von dem ich nicht würdig bin, dass ich ihm den Riemen der Sandale löse.
1,28 Dies geschah in Betanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
1,29 Am folgenden Tag sieht er Jesus zu ihm kommend und sagt: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt
1,30 Dieser ist es, über den ich sagte: Hinter mir kommt ein Mann, der vor mir geworden ist, weil er Erster vor mir war
1,31 Auch ich wusste ihn nicht, aber damit er dem Israel offenbar werde, deshalb kam ich, in Wasser taufend
1,32 Und er bezeugte, indem er sagte: ich habe den Geist gesehen, herabsteigend wie eine Taube aus dem Himmel, und er blieb auf ihm
1,33a Und ich wusste ihn nicht, aber der mich gesandt hat, in Wasser zu taufen, dieser sagte mir:
1,33b Auf wen auch immer du den Geist herabsteigend und auf ihm bleibend siehst, dieser ist der in heiligem Geist Taufende
1,34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn des Gottes ist
1,35 Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern
1,36 Und nachdem er Jesus, während er ging, angesehen hatte, sagt er: Siehe, das Lamm Gottes
1,37 Und die zwei Jünger von ihm hörten ihn reden und folgten Jesus
1,38 Jesus, sich umgewandt habend und sie gesehen habend, sagt zu ihnen: Was sucht ihr?
1,39 Er sagt zu ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen. Sie kamen also und sahen, wo er bleibt, und bei ihm blieben sie jenen Tag. Es war ungefähr die zehnte Stunde.
1,40 Es war Andreas, der Bruder des Simon Petrus, einer von den beiden, die von Johannes gehört und ihm gefolgt waren.
1,41 Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und sagt zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt Christus ist.“
1,42 Er führte ihn zu Jesus. Ihn anblickend sagte Jesus: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas genannt werden, was übersetzt Petrus ist.“
1,43 Am folgenden Tag wollte er nach Galiläa hinausgehen und findet Philippus. Und Jesus sagt zu ihm: „Folge mir.“
1,44 Es war aber Philippus aus Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und des Petrus.
1,45 Philippus findet Nathanael und sagt zu ihm: „Den, den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, haben wir gefunden: Jesus, den Sohn des Joseph, den aus Nazareth.“
1,46 Und Nathanael sagte zu ihm: „Kann aus Nazareth etwas Gutes sein?“ Philippus sagt zu ihm: „Komm und sieh.“
1,47 Jesus sah den Nathanael zu ihm kommend und sagt über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Täuschung ist.“
1,48 Nathanael sagt zu ihm: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“
1,49 Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist König Israels.“
1,50 Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“
1,51 Und er sagt zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes aufsteigend und absteigend auf den Menschensohn.“

 

Johannes 1,51: Und er sagt zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes aufsteigend und absteigend auf den Menschensohn.“

Griechischer Text

1,51 καὶ λέγει αὐτῷ· ἀμὴν ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ὄψεσθε τὸν οὐρανὸν ἀνεῳγότα καὶ τοὺς ἀγγέλους τοῦ θεοῦ ἀναβαίνοντας καὶ καταβαίνοντας ἐπὶ τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Grundform Morphologie und Syntax Grundbedeutung und Funktion
καὶ καί Koordinierende Konjunktion. „und“. Sie verbindet den Vers mit der vorausgehenden Rede und leitet die weitere Äußerung Jesu ein.
λέγει λέγω Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular. Erzählendes beziehungsweise historisches Präsens. „er sagt“. Das Präsens vergegenwärtigt die Rede Jesu innerhalb der Erzählung.
αὐτῷ αὐτός Dativ Maskulinum Singular des Personalpronomens. „zu ihm“. Der Dativ bezeichnet den unmittelbaren Adressaten, im Erzählzusammenhang Nathanael.
ἀμὴν ἀμήν Unveränderliches, aus dem Hebräischen beziehungsweise Aramäischen übernommenes Bestätigungswort. „wahrlich“, „amen“ oder „gewiss“. Die erste Wiederholung eröffnet eine feierliche Bekräftigungsformel.
ἀμὴν ἀμήν Unveränderliches Bestätigungswort; zweite Stelle der Doppelformel. „wahrlich“. Die Verdoppelung verstärkt die Verbindlichkeit und Gewissheit der folgenden Aussage.
λέγω λέγω Präsens Aktiv Indikativ, 1. Person Singular. „ich sage“. Jesus formuliert eine autoritative Ankündigung und wendet sich mit ihr an die Angesprochenen.
ὑμῖν σύ Dativ Plural des Personalpronomens der 2. Person. „euch“. Der Dativ bezeichnet die pluralische Anrede beziehungsweise die Empfänger der Aussage.
ὄψεσθε ὁράω Futur, 2. Person Plural. Die Form ist formal medial und wird von ὁράω deponentisch mit aktivischer Bedeutung gebraucht. „ihr werdet sehen“. Jesus kündigt eine künftige Wahrnehmung oder Offenbarung an.
τὸν ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Akkusativ Maskulinum Singular. „den“. Der Artikel gehört zu οὐρανὸν und markiert das bestimmte Akkusativobjekt.
οὐρανὸν οὐρανός Akkusativ Maskulinum Singular; direktes Objekt zu ὄψεσθε. „Himmel“. Zusammen mit dem Partizip ἀνεῳγότα bezeichnet die Form das, was gesehen werden soll: „den Himmel geöffnet“.
ἀνεῳγότα ἀνοίγω Perfekt Aktiv Partizip, Akkusativ Maskulinum Singular; kongruent mit τὸν οὐρανὸν. Prädikativ zum Akkusativobjekt. „geöffnet“ beziehungsweise „geöffnet habend“. Das Perfekt hebt den bestehenden Zustand des geöffneten Himmels hervor.
καὶ καί Koordinierende Konjunktion. „und“. Sie verbindet den geöffneten Himmel mit der folgenden Engelgruppe.
τοὺς ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Akkusativ Maskulinum Plural. „die“. Der Artikel gehört zu ἀγγέλους und kennzeichnet die Engel als weiteres Objekt der angekündigten Wahrnehmung.
ἀγγέλους ἄγγελος Akkusativ Maskulinum Plural; durch die Artikelgruppe τοὺς ἀγγέλους bestimmt und von ὄψεσθε abhängig. „Engel“. Die Engel bilden zusammen mit den Partizipien ἀναβαίνοντας und καταβαίνοντας die zweite große Bildkomponente der Vision.
τοῦ ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular. „des“. Der Artikel gehört zum Genitivattribut τοῦ θεοῦ.
θεοῦ θεός Genitiv Maskulinum Singular; Genitivattribut zu ἀγγέλους. „Gottes“ beziehungsweise „von Gott“. Die Engel werden als zu Gott gehörend bestimmt.
ἀναβαίνοντας ἀναβαίνω Präsens Aktiv Partizip, Akkusativ Maskulinum Plural; kongruent mit τοὺς ἀγγέλους. „aufsteigend“ oder „hinaufsteigend“. Das Präsenspartizip beschreibt die fortdauernde beziehungsweise anschaulich vorgestellte Bewegung der Engel.
καὶ καί Koordinierende Konjunktion zwischen zwei Partizipien. „und“. Sie verbindet die gegenläufigen Bewegungen der Engel.
καταβαίνοντας καταβαίνω Präsens Aktiv Partizip, Akkusativ Maskulinum Plural; kongruent mit ἀγγέλους und koordiniert mit ἀναβαίνοντας. „absteigend“ oder „hinabsteigend“. Zusammen mit ἀναβαίνοντας stellt das Partizip die Bewegung in beide Richtungen dar.
ἐπὶ ἐπί Präposition mit Akkusativ. „auf“, „über“ oder „hin zu“. Mit dem Akkusativ bezeichnet ἐπί hier die Richtung beziehungsweise den Zielbezug der Bewegung.
τὸν ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Akkusativ Maskulinum Singular. „den“. Der Artikel gehört zu υἱὸν und markiert die bestimmte Ziel- beziehungsweise Bezugsgröße.
υἱὸν υἱός Akkusativ Maskulinum Singular; von ἐπί regiert. „Sohn“. Die Form ist Bestandteil der festen Bezeichnung „der Sohn des Menschen“.
τοῦ ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular. „des“. Der Artikel gehört zum Genitivattribut τοῦ ἀνθρώπου.
ἀνθρώπου ἄνθρωπος Genitiv Maskulinum Singular; Genitivattribut zu υἱὸν. „Menschen“ beziehungsweise „der Menschheit“. Zusammen mit υἱὸν bezeichnet die Form den messianischen Titel „Menschensohn“.

Wörtliche Übersetzung

Und er sagt zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes aufsteigend und absteigend auf den Menschensohn.“

Flüssigere Übersetzung

Und er sagt zu ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes über dem Menschensohn auf- und niedersteigen sehen.“

Philologische Hinweise

1. καὶ λέγει αὐτῷ

Der Vers beginnt mit καὶ λέγει αὐτῷ. λέγει steht formal im Präsens, obwohl die umgebende Erzählung in der Vergangenheit fortschreiten kann. Dieses erzählende oder historische Präsens vergegenwärtigt den Augenblick der Rede: Jesus „sagt“ Nathanael die folgenden Worte. αὐτῷ steht im Dativ und bezeichnet den unmittelbaren Adressaten. Die Singularform verweist zunächst auf Nathanael, während die anschließende Anrede mit ὑμῖν in den Plural wechselt.

2. ἀμὴν ἀμὴν λέγω ὑμῖν

Die doppelte Formel ἀμὴν ἀμὴν ist eine charakteristische Bekräftigungsformel. ἀμήν ist ein unveränderliches Lehnwort und bedeutet in diesem Zusammenhang „wahrlich“, „gewiss“ oder „amen“. Durch die Verdoppelung wird die folgende Aussage besonders nachdrücklich eingeführt. λέγω ist Präsens Aktiv Indikativ in der ersten Person Singular: „ich sage“. Das Verb steht mit dem Dativ ὑμῖν, „euch“, und richtet die Aussage ausdrücklich an mehrere Hörer.

Der Wechsel von αὐτῷ zum Plural ὑμῖν ist syntaktisch und erzählerisch bedeutsam. Jesus spricht Nathanael zunächst persönlich an, formuliert die nun folgende Offenbarungszusage aber als Wort an einen größeren Kreis. Der Text legt dadurch eine Ausweitung des Adressatenkreises nahe, ohne die unmittelbare Gesprächssituation aufzugeben.

3. ὄψεσθε als Zukunftszusage

ὄψεσθε ist die zweite Person Plural der Zukunftsform von ὁράω und bedeutet „ihr werdet sehen“. Die Form ist formal medial gebildet, wird bei diesem Verb jedoch deponentisch mit aktivischer Bedeutung gebraucht. Sie ist daher nicht als passives „ihr werdet gesehen werden“ zu verstehen. Das Futur richtet den Blick auf eine noch ausstehende Wahrnehmung und nimmt die Zusage aus dem vorhergehenden Vers auf: Auf das bereits Erlebte sollen größere Dinge folgen.

4. τὸν οὐρανὸν ἀνεῳγότα

τὸν οὐρανὸν steht im Akkusativ und ist das direkte Objekt zu ὄψεσθε. ἀνεῳγότα ist ein Perfekt Aktiv Partizip im Akkusativ Maskulinum Singular und stimmt mit οὐρανὸν überein. Es steht prädikativ beim Akkusativobjekt. Die Konstruktion bezeichnet somit nicht nur den Himmel als Gegenstand des Sehens, sondern den Himmel in einem bestimmten Zustand: „den Himmel geöffnet“ beziehungsweise „den Himmel offen“.

Das Perfektpartizip kann den fortbestehenden Zustand betonen, der aus dem Öffnen hervorgegangen ist. Die flüssige Übersetzung „ihr werdet den Himmel offen sehen“ gibt diese Zustandsbedeutung im Deutschen natürlicher wieder. Die griechische Form bewahrt zugleich den Bezug zu einer vorausliegenden Öffnung und deren gegenwärtig wahrnehmbarem Ergebnis.

5. τοὺς ἀγγέλους τοῦ θεοῦ

τοὺς ἀγγέλους τοῦ θεοῦ bildet eine Nominalgruppe im Akkusativ Plural. ἀγγέλους ist das Substantiv, τοὺς der zugehörige bestimmte Artikel. τοῦ θεοῦ steht als Genitivattribut und bestimmt die Engel näher: Es handelt sich um „die Engel Gottes“ beziehungsweise um Engel, die Gott zugeordnet sind. Die gesamte Nominalgruppe ist wie τὸν οὐρανὸν von ὄψεσθε abhängig.

6. ἀναβαίνοντας καὶ καταβαίνοντας

Die beiden Formen ἀναβαίνοντας und καταβαίνοντας sind Präsens Aktiv Partizipien im Akkusativ Maskulinum Plural. Sie stimmen mit τοὺς ἀγγέλους überein und beschreiben, was die Engel tun. ἀναβαίνοντας bedeutet „aufsteigend“ oder „hinaufsteigend“, καταβαίνοντας „absteigend“ oder „hinabsteigend“. Das verbindende καὶ koordiniert die Partizipien.

Durch die beiden gegenläufigen Bewegungen entsteht das Bild eines fortlaufenden Verkehrs zwischen Himmel und dem Zielpunkt auf der Erde. Das Präsens der Partizipien lässt die Bewegung anschaulich und dynamisch erscheinen. Die Engel werden nicht nur als anwesende Gestalten angekündigt, sondern in einer ununterbrochenen Bewegung des Auf- und Absteigens.

7. ἐπὶ τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου

ἐπὶ regiert hier den Akkusativ τὸν υἱὸν. Mit dem Akkusativ kann ἐπί eine Richtung, einen Zielbezug oder eine Bewegung auf etwas hin bezeichnen. Die Präpositionalgruppe ist daher wörtlich mit „auf den Menschensohn“ oder „hin zum Menschensohn“ wiederzugeben. Im Zusammenhang mit ἀναβαίνοντας und καταβαίνοντας bezeichnet sie den Bezugspunkt, auf den die Engelbewegung ausgerichtet ist.

τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου ist eine Nominalgruppe mit dem Genitivattribut τοῦ ἀνθρώπου. Wörtlich bedeutet sie „den Sohn des Menschen“. Als feste biblische Bezeichnung wird sie im Deutschen gewöhnlich als „der Menschensohn“ wiedergegeben. Der Vers verbindet damit die Himmelsvision ausdrücklich mit der Person Jesu und stellt den Menschensohn als Mittelpunkt beziehungsweise Zielbezug der Engelbewegung dar.

8. Die Bildkomposition des Verses

Die Satzstruktur ordnet drei Elemente aufeinander: den geöffneten Himmel, die Engel Gottes und den Menschensohn. ὄψεσθε regiert sowohl τὸν οὐρανὸν ἀνεῳγότα als auch τοὺς ἀγγέλους τοῦ θεοῦ mit den zugehörigen Partizipien. Das erste Objekt wird durch den Zustand des geöffneten Himmels charakterisiert, das zweite durch die Bewegung der Engel. So entsteht keine lose Folge einzelner Bilder, sondern eine zusammenhängende Offenbarung: Der Himmel ist offen, die Engel bewegen sich, und ihre Bewegung steht in Beziehung zum Menschensohn.

9. Verhältnis zu Johannes 1,50

Der vorhergehende Vers kündigt „Größeres“ an. Johannes 1,51 entfaltet diese Ankündigung in einer Bildsprache der Offenbarung. Aus dem persönlichen Erkennen Nathanaels unter dem Feigenbaum wird eine pluralisch ausgesprochene Verheißung des Sehens. Die grammatische Gestaltung unterstützt diesen Übergang: Das erzählende Präsens λέγει vergegenwärtigt Jesu Rede, die doppelte Bekräftigung ἀμὴν ἀμὴν unterstreicht ihre Gewissheit, und das Futur ὄψεσθε richtet die Hörer auf die kommende Offenbarung aus.

Johannes 1,50: Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“

Griechischer Text

1,50 ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ· ὅτι εἶπόν σοι ὅτι εἶδόν σε ὑποκάτω τῆς συκῆς, πιστεύεις; μείζω τούτων ὄψῃ.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Grundform Morphologie und Syntax Grundbedeutung und Funktion
ἀπεκρίθη ἀποκρίνομαι Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular. Deponentisch beziehungsweise medial-passivisch gebildet, hier mit aktivischer Bedeutung. „er antwortete“. Das Verb leitet die Antwort Jesu auf Nathanaels Bekenntnis ein.
Ἰησοῦς Ἰησοῦς Nominativ Maskulinum Singular; Subjekt zu ἀπεκρίθη und εἶπεν. „Jesus“. Er ist der Handelnde und Sprecher des Satzes.
καὶ καί Koordinierende Konjunktion. „und“. Die Konjunktion verbindet das Antworten mit dem anschließenden Sprechen.
εἶπεν λέγω Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular. „er sagte“ beziehungsweise „er sprach“. Der Aorist bezeichnet das Sprechen als zusammenhängende Handlung.
αὐτῷ αὐτός Dativ Maskulinum Neutrum Singular; Personal- beziehungsweise Bezugpronomen. „zu ihm“. Der Dativ bezeichnet den Adressaten der Rede, Nathanael.
ὅτι ὅτι Einleitende Konjunktion; sie eröffnet hier den von εἶπεν abhängigen Redeinhalt beziehungsweise eine Begründung. „dass“ oder, im argumentativen Zusammenhang, „weil“. Jesus nimmt auf seine vorherige Aussage Bezug.
εἶπόν λέγω Aorist Aktiv Indikativ, 1. Person Singular. Die Form ist durch den Akzent von der 3.-Person-Singular-Form εἶπεν unterschieden. „ich sagte“ beziehungsweise „ich habe gesagt“. Jesus erinnert Nathanael an seine eigene vorherige Aussage.
σοι σύ Dativ Singular des Personalpronomens der 2. Person. „dir“. Der Dativ bezeichnet den Empfänger der früheren Mitteilung.
ὅτι ὅτι Einleitende Konjunktion vor einer finiten Verbform; sie führt den Inhalt von εἶδόν ein. „dass“. Dieses zweite ὅτι macht ausdrücklich, was Jesus Nathanael gesagt hat: „dass ich dich gesehen habe“.
εἶδόν ὁράω Aorist Aktiv Indikativ, 1. Person Singular. „ich sah“ beziehungsweise „ich habe gesehen“. Die Handlung des Sehens wird als abgeschlossene Wahrnehmung dargestellt.
σε σύ Akkusativ Singular des Personalpronomens der 2. Person; direktes Objekt zu εἶδόν. „dich“. Nathanael ist derjenige, den Jesus gesehen hat.
ὑποκάτω ὑποκάτω Adverb beziehungsweise Präposition mit Genitiv. „unter“. Die Form bestimmt zusammen mit τῆς συκῆς den Ort des Geschehens.
τῆς ὁ, ἡ, τό Bestimmter Artikel, Genitiv Femininum Singular; Kongruenz mit συκῆς. „des“. Der Artikel markiert die bestimmte Feige beziehungsweise den bestimmten Feigenbaum.
συκῆς συκῆ Genitiv Femininum Singular. „Feige“ beziehungsweise in der Ortsangabe „Feigenbaum“. Zusammen mit ὑποκάτω bezeichnet die Genitivgruppe den Ort: „unter dem Feigenbaum“.
πιστεύεις πιστεύω Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular. Als selbstständige Verbform mit Frageintonation gebraucht. „glaubst du?“ Die direkte Frage richtet sich an Nathanael und stellt seinen Glauben angesichts der vorausgehenden Erkenntnis Jesu heraus.
μείζω μέγας Komparativform, Neutrum Plural Akkusativ oder Nominativ. Hier substantivisch beziehungsweise elliptisch gebraucht und mit τούτων verglichen. „Größeres“ oder „größere Dinge“. Die Form eröffnet die Verheißung einer noch größeren Offenbarung.
τούτων οὗτος Demonstrativpronomen, Genitiv Neutrum Plural. „als diese“ beziehungsweise „als dies“. Der Genitiv dient als Vergleichsbezug zu μείζω und verweist auf das zuvor Gesagte und Gesehene.
ὄψῃ ὁράω Futur Medium Indikativ, 2. Person Singular; die mittlere Form hat hier aktivische Bedeutung. „du wirst sehen“. Die Form bildet die abschließende Zusage Jesu an Nathanael.

Wörtliche Übersetzung

Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“

Flüssigere Übersetzung

Jesus antwortete ihm: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe? Du wirst noch Größeres sehen.“

Philologische Hinweise

1. ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ

Die Erzählformel ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ verbindet Antwort und Rede eng miteinander. ἀπεκρίθη ist formal ein Aorist Passiv Indikativ von ἀποκρίνομαι. Das Verb wird jedoch deponentisch beziehungsweise in einer passivisch geformten, aktivisch verstandenen Weise gebraucht: „er antwortete“. Das Subjekt Ἰησοῦς steht im Nominativ, während αὐτῷ im Dativ den Empfänger der Rede bezeichnet. Der zweite Aorist εἶπεν von λέγω führt den konkreten Inhalt der Antwort ein.

2. Die beiden ὅτι-Fügungen

Der Satz enthält zweimal ὅτι, jedoch mit unterschiedlicher syntaktischer Reichweite. Das erste ὅτι folgt auf εἶπεν und eröffnet den anschließenden Rede- oder Begründungszusammenhang. Es kann daher als „dass“ gelesen werden: „er sagte, dass …“. Im unmittelbaren argumentativen Zusammenhang ist auch eine kausale Wiedergabe mit „weil“ möglich: „Du glaubst, weil ich dir gesagt habe …“. Die genaue deutsche Zeichensetzung und Übersetzung hängt davon ab, ob man die Frage als Rückfrage nach dem Grund des Glaubens oder stärker als Feststellung mit anschließender Frage versteht.

Das zweite ὅτι steht vor εἶδόν und ist inhaltlich klarer als inhaltseinleitende Konjunktion zu verstehen. Es gibt den Inhalt der früheren Mitteilung an: Jesus hatte Nathanael gesagt, „dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe“. Dadurch wird die sprachliche Verschachtelung sichtbar: Jesus erinnert an das, was er gesagt hat, und dieses Gesagte bestand darin, dass er Nathanael gesehen hatte.

3. εἶπόν σοι ὅτι εἶδόν σε

εἶπόν ist der Aorist Aktiv Indikativ der ersten Person Singular von λέγω: „ich sagte“ oder im Deutschen idiomatischer „ich habe gesagt“. σοι steht als Dativ beim Verb des Sagens und bezeichnet den Adressaten. εἶδόν ist der Aorist Aktiv Indikativ der ersten Person Singular von ὁράω. Zusammen mit dem Akkusativ σε bildet es die Aussage „ich sah dich“ beziehungsweise „ich habe dich gesehen“. Der Aorist stellt sowohl das Sagen als auch das Sehen als abgeschlossene Vorgänge dar.

4. ὑποκάτω τῆς συκῆς

ὑποκάτω bezeichnet räumlich „unter“ und kann als Präposition den Genitiv regieren. τῆς συκῆς ist eine Genitivgruppe aus Artikel und Substantiv. συκῆ kann lexikalisch „Feige“ bedeuten, in dieser festen Ortsangabe ist jedoch der Feigenbaum gemeint. Die Wendung ὑποκάτω τῆς συκῆς bedeutet somit „unter dem Feigenbaum“. Sie nennt den konkreten Ort, an dem Jesus Nathanael gesehen zu haben erklärt.

5. πιστεύεις als direkte Frage

πιστεύεις ist Präsens Aktiv Indikativ, zweite Person Singular, von πιστεύω. Als isolierte finite Verbform trägt es die direkte Frage: „Glaubst du?“ Das Präsens kann den gegenwärtigen Glaubensakt oder Nathanaels gegenwärtige Haltung bezeichnen. Die Frage greift sein Bekenntnis aus dem vorhergehenden Vers auf und stellt zugleich heraus, ob die begrenzte Erkenntnis über den Feigenbaum bereits der Grund seines Glaubens ist.

6. μείζω τούτων ὄψῃ

Mit μείζω τούτων ὄψῃ folgt eine Zukunftszusage. μείζω ist die Komparativform von μέγας und bedeutet hier substantivisch „Größeres“ beziehungsweise „größere Dinge“. τούτων steht als Genitiv Neutrum Plural und gibt den Vergleichsbezug an: „größer als diese Dinge“ oder idiomatischer „noch Größeres“. ὄψῃ ist die mittlere Futurform der zweiten Person Singular von ὁράω. Sie hat hier aktivische Bedeutung: „du wirst sehen“. Der Satz öffnet den Blick über das gerade Erlebte hinaus. Nathanaels Erkenntnis soll nicht auf Jesu Wissen um seinen Aufenthaltsort begrenzt bleiben, sondern in eine umfassendere Wahrnehmung der Offenbarung Jesu führen.

7. Der argumentative Verlauf

Jesu Antwort nimmt Nathanaels spontanes Bekenntnis ernst, relativiert es jedoch zugleich in seiner Erkenntnisgrundlage. Die Frage πιστεύεις? kann als prüfende Rückfrage verstanden werden: Reicht die Mitteilung über das Sehen unter dem Feigenbaum aus, um zu glauben? Die anschließende Zusage μείζω τούτων ὄψῃ weist über dieses einzelne Zeichen hinaus. Philologisch verbindet der Vers daher Erinnerung, Frage und Verheißung in einer kurzen, stark verdichteten Rede.

Johannes 1,49: Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist König Israels.“

Griechischer Text

1,49 ἀπεκρίθη αὐτῷ Ναθαναήλ· ῥαββί, σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ, σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Morphologie Grundbedeutung Syntaktische Funktion
ἀπεκρίθη Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular, von ἀποκρίνομαι er antwortete Prädikat des Eröffnungssatzes. Die Form ist passivisch gebildet, hat bei dem deponentischen Verb ἀποκρίνομαι jedoch aktivische Bedeutung: „er antwortete“.
αὐτῷ Personalpronomen, Dativ Maskulinum Singular ihm Dativobjekt beziehungsweise Dativ der angesprochenen Person zu ἀπεκρίθη. Das Pronomen bezieht sich auf Jesus.
Ναθαναήλ Eigenname, Nominativ Maskulinum Singular Nathanael Subjekt zu ἀπεκρίθη. Nathanael ist derjenige, der Jesus antwortet.
ῥαββί Unveränderliche Anredeform, Transkription eines aramäischen Ehrentitels Rabbi, mein Lehrer, mein Meister Anrede ohne syntaktische Einbindung in den folgenden Nominalsatz. ῥαββί kennzeichnet Jesus als verehrten Lehrer oder Meister.
σὺ Personalpronomen, Nominativ Singular, 2. Person du Betontes Subjekt der ersten prädikativen Aussage. Die ausdrückliche Nennung des Pronomens hebt Jesus als denjenigen hervor, auf den Nathanael seine Aussage richtet.
εἶ Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular, von εἰμί du bist Kopula der ersten prädikativen Aussage. Sie verbindet σὺ mit der Nominalgruppe ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ.
Bestimmter Artikel, Nominativ Maskulinum Singular der Artikel zu υἱὸς. Er macht die Nominalgruppe ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ zu einer artikulierten Bezeichnung.
υἱὸς Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular Sohn Prädikatsnomen im ersten Nominalsatz. Zusammen mit ὁ und τοῦ θεοῦ bildet es die Aussage „der Sohn Gottes“.
τοῦ Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular des Artikel zum Genitivattribut θεοῦ. Er stimmt mit θεοῦ in Kasus, Numerus und Genus überein.
θεοῦ Substantiv, Genitiv Maskulinum Singular, von θεός Gott Genitivattribut zu υἱὸς. Die Verbindung τοῦ θεοῦ bestimmt, wessen Sohn gemeint ist: „Gottes“.
σὺ Personalpronomen, Nominativ Singular, 2. Person du Erneut betontes Subjekt, jetzt der zweiten prädikativen Aussage. Die Wiederholung gliedert und verstärkt die parallele Bekenntnisformel.
βασιλεὺς Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular, von βασιλεύς König Prädikatsnomen der zweiten Aussage. Es steht ohne Artikel und wird durch die Kopula εἶ mit dem betonten Subjekt σὺ verbunden.
εἶ Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular, von εἰμί du bist Kopula der zweiten prädikativen Aussage. Die Endstellung unterstreicht zusammen mit dem wiederholten σὺ die parallele Satzstruktur.
τοῦ Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular des Artikel zum Genitivattribut Ἰσραήλ. Er leitet die Bezugsangabe zu βασιλεὺς ein.
Ἰσραήλ Eigenname, indeklinabel; hier Genitiv Maskulinum Singular Israel Genitivattribut beziehungsweise Bezugsangabe zu βασιλεὺς. Die Wendung bezeichnet den König in seiner Beziehung zu Israel: „König Israels“.

Wörtliche Übersetzung

Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist König Israels.“

Flüssigere Übersetzung

Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.“

Philologische Hinweise

ἀπεκρίθη αὐτῷ Ναθαναήλ

Der Vers beginnt mit ἀπεκρίθη, der dritten Person Singular im Aorist Passiv Indikativ von ἀποκρίνομαι. Das Verb besitzt eine passivische Form, wird hier aber deponentisch mit aktivischer Bedeutung gebraucht: „er antwortete“. Der Aorist stellt Nathanaels Antwort als abgeschlossene Reaktion auf Jesu vorherige Aussage dar.

αὐτῷ steht im Dativ und bezeichnet die Person, an die Nathanael seine Antwort richtet. Es ist das Dativobjekt beziehungsweise der von ἀπεκρίθη geforderte Dativ und bezieht sich auf Jesus. Ναθαναήλ steht im Nominativ und ist das Subjekt des Verbs. Die Satzordnung lässt sich daher wörtlich als „Es antwortete ihm Nathanael“ wiedergeben, idiomatisch jedoch als „Nathanael antwortete ihm“.

ῥαββί als Anrede

ῥαββί ist eine griechische Transkription des aramäischen Ehrentitels „Rabbi“. Die Form ist im Griechischen unveränderlich und steht als selbstständige Anrede vor dem Bekenntnis. Die Grundbedeutung des aramäischen Titels ist etwa „mein Lehrer“ oder „mein Meister“. Im Zusammenhang ist ῥαββί mehr als eine bloße Höflichkeitsformel: Nathanael erkennt Jesus als eine Person an, die mit besonderer Autorität lehrt.

Die Anrede ῥαββί gehört syntaktisch nicht zu einer der beiden folgenden Kopulastrukturen. Sie eröffnet vielmehr die direkte Rede und markiert den persönlichen Adressaten des Bekenntnisses.

Die erste prädikative Aussage: σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ

Die erste Aussage folgt dem Muster Subjekt, Kopula, Prädikatsnomen: σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ. σὺ ist das ausdrücklich genannte Personalpronomen der zweiten Person Singular und bedeutet „du“. Da die Verbform εἶ die Person bereits erkennen lässt, ist die zusätzliche Nennung von σὺ betont. Nathanael stellt Jesus ausdrücklich als denjenigen heraus, auf den die folgende Bezeichnung zutrifft.

εἶ ist die Präsensform der zweiten Person Singular von εἰμί und fungiert hier als Kopula. Sie verbindet das Subjekt σὺ mit dem Prädikatsnomen υἱὸς. Der Präsensgebrauch bezeichnet eine gegenwärtig gültige Identität: „Du bist“.

ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ ist eine artikulierte Nominalgruppe. Der Artikel ὁ gehört zu υἱὸς, der im Nominativ Maskulinum Singular steht. Die Gruppe wird durch τοῦ θεοῦ näher bestimmt. τοῦ ist der bestimmte Artikel im Genitiv, θεοῦ der Genitiv von θεός. Zusammen bilden sie ein Genitivattribut zu υἱὸς: „der Sohn Gottes“. Der Genitiv gibt die Beziehung oder Zugehörigkeit an und bestimmt, wessen Sohn gemeint ist.

Die zweite prädikative Aussage: σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ

Die zweite Aussage wiederholt bewusst das betonte σὺ. Dadurch entstehen zwei parallel gebaute Zuschreibungen: „Du bist …; du bist …“. Die Wiederholung verbindet die Aussagen, ohne ihre jeweiligen Titel miteinander zu verschmelzen. Nathanael bekennt Jesus sowohl als den Sohn Gottes als auch als König Israels.

βασιλεὺς ist ein Nominativ Maskulinum Singular und fungiert als Prädikatsnomen zu εἶ. Anders als die erste Nominalgruppe steht βασιλεὺς ohne bestimmten Artikel. Die artikellose Form kann die Bezeichnung als Rang- oder Funktionsangabe hervorheben: Jesus ist „König“. Die Kopula εἶ steht nach dem Prädikatsnomen und bildet mit σὺ die zweite Nominalprädikation.

τοῦ Ἰσραήλ ist die Bezugsangabe zu βασιλεὺς. τοῦ ist der bestimmte Artikel im Genitiv, während Ἰσραήλ als Eigenname indeklinabel bleibt und hier durch den Artikel als Genitivbeziehung ausgewiesen wird. Die Verbindung kann wörtlich als „König des Israel“ verstanden werden, idiomatisch lautet sie „König Israels“. Der Genitiv bezeichnet den Bereich oder das Volk, auf das sich die Königsherrschaft bezieht.

Die parallele Struktur des Bekenntnisses

Die beiden Aussagen sind durch die Wiederholung von σὺ und εἶ parallel gestaltet:

σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ
Du bist der Sohn Gottes.

σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ
Du bist König Israels.

Die erste Aussage verwendet eine artikulierte Nominalgruppe mit ὁ υἱὸς, die zweite ein artikelloses Prädikatsnomen βασιλεὺς. Beide Nomina stehen im Nominativ und werden durch εἶ mit dem betonten Subjekt σὺ verbunden. Die Genitivverbindungen unterscheiden sich in ihrer näheren Funktion: τοῦ θεοῦ bestimmt die Beziehung des Sohnes zu Gott, τοῦ Ἰσραήλ den Bezugsbereich des Königtums.

Der Zusammenhang der beiden Titel

Nathanaels Antwort greift Jesu übernatürliche Kenntnis aus dem vorhergehenden Vers auf. Die Anrede ῥαββί beginnt mit einer Anerkennung Jesu als Lehrer. Darauf folgen zwei Hoheitstitel, die über eine gewöhnliche Lehrer-Schüler-Beziehung hinausgehen. Die Aussage „Sohn Gottes“ benennt Jesu besondere Beziehung zu Gott, während „König Israels“ seine königliche Beziehung zum Volk Israel beschreibt.

Die Wortstellung und die doppelte Anrede σὺ verleihen dem Bekenntnis Nachdruck. Nathanael spricht nicht allgemein über eine noch unbestimmte Gestalt, sondern richtet jede Aussage unmittelbar auf Jesus: „Du bist … du bist …“.

Johannes 1,48: Nathanael sagt zu ihm: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“

Griechischer Text

1,48 λέγει αὐτῷ Ναθαναήλ· πόθεν με γινώσκεις; ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ· πρὸ τοῦ σε Φίλιππον φωνῆσαι ὄντα ὑπὸ τὴν συκῆν εἶδόν σε.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Morphologie Grundbedeutung Syntaktische Funktion
λέγει Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular, von λέγω sagen, sprechen Prädikat des ersten Satzes. Das Präsens ist ein historisches Präsens und vergegenwärtigt Nathanaels unmittelbare Rede.
αὐτῷ Personalpronomen, Dativ Maskulinum Singular ihm Indirektes Objekt zu λέγει. Das Pronomen bezieht sich auf Jesus: Nathanael sagt zu ihm.
Ναθαναήλ Eigenname, Nominativ Maskulinum Singular Nathanael Subjekt zu λέγει. Der Eigenname steht nach dem Verb und wird durch die Verbform als Handelnder ausgewiesen.
πόθεν Interrogativadverb woher, aus welcher Quelle Frageadverb zu γινώσκεις. Es fragt nach der Herkunft oder Grundlage der Kenntnis und kann im Zusammenhang idiomatisch mit „wie“ wiedergegeben werden.
με Personalpronomen, Akkusativ Singular, 1. Person mich Akkusativobjekt zu γινώσκεις. Nathanael fragt, auf welche Weise Jesus ihn kennt.
γινώσκεις Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular, von γινώσκω kennen, erkennen, wissen Prädikat der direkten Frage. Das unausgedrückte Subjekt ist σύ, „du“, und με ist das erkannte beziehungsweise bekannte Objekt.
ἀπεκρίθη Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular, von ἀποκρίνομαι er antwortete Prädikat des Antwortsatzes. Die Form ist passivisch gebildet, hat bei dem deponentischen Verb ἀποκρίνομαι jedoch aktivische Bedeutung.
Ἰησοῦς Eigenname, Nominativ Maskulinum Singular Jesus Subjekt zu ἀπεκρίθη und zugleich zu εἶπεν. Jesus ist der Antwortende und der Sprechende.
καὶ Koordinierende Konjunktion und Verbindet die Antwortformel ἀπεκρίθη mit der anschließenden Redehandlung εἶπεν.
εἶπεν Zweiter Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular, von λέγω er sagte Prädikat neben ἀπεκρίθη. Die Verbindung „er antwortete und sagte“ leitet die eigentliche Antwort Jesu ein.
αὐτῷ Personalpronomen, Dativ Maskulinum Singular ihm Indirektes Objekt zu εἶπεν. Jesus richtet seine Antwort an Nathanael.
πρὸ Präposition mit Genitiv vor Verbindet sich mit τοῦ und dem substantivierten Infinitiv φωνῆσαι zu einer temporalen Präpositionalfügung.
τοῦ Bestimmter Artikel, Genitiv Neutrum Singular des Artikel zum substantivierten Infinitiv φωνῆσαι. Der Genitiv wird von πρὸ regiert: „vor dem Rufen“ beziehungsweise „bevor … rief“.
σε Personalpronomen, Akkusativ Singular, 2. Person dich Akkusativobjekt zu φωνῆσαι. In der Infinitivfügung ist Nathanael derjenige, den Philippus ruft.
Φίλιππον Eigenname, Akkusativ Maskulinum Singular Philippus Akkusativsubjekt des Infinitivs φωνῆσαι. Obwohl Φίλιππον formal ebenfalls im Akkusativ steht, bezeichnet die Form hier den Handelnden des infinitivischen Rufs.
φωνῆσαι Aorist Aktiv Infinitiv, von φωνέω rufen, anrufen Substantivierter Infinitiv nach πρὸ τοῦ. Der Aorist fasst den Ruf des Philippus als vorausgehendes Ereignis zusammen.
ὄντα Präsens Aktiv Partizip, Akkusativ Maskulinum Singular, von εἰμί seiend, befindlich Partizip zu σε. Es beschreibt den Zustand Nathanaels während des vorausgehenden Rufs: „als du unter dem Feigenbaum warst“.
ὑπὸ Präposition mit Akkusativ unter Leitet mit dem Akkusativ τὴν συκῆν die Ortsangabe ein. Bei einer Ortsangabe bezeichnet ὑπό mit Akkusativ den Ort unterhalb oder unter etwas.
τὴν Bestimmter Artikel, Akkusativ Femininum Singular den, die Begleitet συκῆν und markiert die Akkusativgruppe als Ergänzung zu ὑπό.
συκῆν Substantiv, Akkusativ Femininum Singular Feigenbaum Objekt der Präposition ὑπό und Bestandteil der Ortsangabe „unter dem Feigenbaum“.
εἶδόν Aorist Aktiv Indikativ, 1. Person Singular, von ὁράω ich sah, ich erblickte Prädikat der Antwort Jesu. Das Subjekt ist die erste Person, also Jesus. Die Grundform lautet εἶδον; der zusätzliche Akut auf der Endsilbe in εἶδόν steht vor dem folgenden enklitischen σε.
σε Personalpronomen, Akkusativ Singular, 2. Person dich Akkusativobjekt zu εἶδόν. Dieses zweite σε ist von dem ersten σε innerhalb der Infinitivfügung zu unterscheiden: Hier sagt Jesus, dass er Nathanael sah.

Wörtliche Übersetzung

Nathanael sagt zu ihm: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“

Flüssigere Übersetzung

Nathanael fragte ihn: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Noch bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen.“

Philologische Hinweise

λέγει αὐτῷ Ναθαναήλ

Der Vers beginnt mit dem historischen Präsens λέγει. Diese Erzählform stellt Nathanaels Frage unmittelbar vor den Leser. Das Dativpronomen αὐτῷ bezeichnet den Empfänger der Rede und bezieht sich auf Jesus. Der nachgestellte Nominativ Ναθαναήλ ist das Subjekt: Nathanael sagt zu Jesus.

Die Frage πόθεν με γινώσκεις?

Die Frage besteht aus dem Interrogativadverb πόθεν, dem Akkusativobjekt με und dem finiten Verb γινώσκεις. πόθεν fragt wörtlich nach dem Ausgangspunkt oder der Quelle: „Woher?“ Es kann bei einem Verb des Erkennens oder Kennens jedoch auch nach dem Grund oder der Weise der Kenntnis fragen. Daher sind sowohl „Woher kennst du mich?“ als auch idiomatischer „Wie kennst du mich?“ beziehungsweise „Woher weißt du von mir?“ möglich.

γινώσκεις ist Präsens Aktiv Indikativ in der zweiten Person Singular. Das unausgedrückte Subjekt ist σύ, „du“. Das Personalpronomen με steht im Akkusativ und ist das direkte Objekt: Jesus kennt oder erkennt Nathanael. Die Wortstellung stellt πόθεν an den Anfang und gibt damit der Herkunft oder Grundlage dieser Kenntnis besonderes Gewicht. Nathanael fragt nicht, ob Jesus ihn kennt, sondern woher Jesus diese Kenntnis besitzt.

ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ

ἀπεκρίθη ist formal ein Aorist Passiv Indikativ der dritten Person Singular von ἀποκρίνομαι. Das Verb wird in dieser Bedeutung deponentisch gebraucht. Obwohl die Form passivisch auf -θη gebildet ist, bedeutet sie aktivisch „er antwortete“. Der Aorist bezeichnet die Antwort als ein abgeschlossenes Ereignis.

Die anschließende Verbindung καὶ εἶπεν αὐτῷ fügt die eigentliche Redehandlung hinzu. εἶπεν ist der zweite Aorist Aktiv Indikativ von λέγω und bedeutet „er sagte“. Zusammen ergibt sich die im biblischen Griechisch häufige Antwortformel „er antwortete und sagte“. Das zweite αὐτῷ steht wiederum im Dativ und bezeichnet Nathanael als den Empfänger der Antwort.

Die temporale Fügung πρὸ τοῦ … φωνῆσαι

πρὸ τοῦ bildet mit dem Genitivartikel τοῦ und dem Infinitiv φωνῆσαι eine temporale Präpositionalfügung. Wörtlich bedeutet sie „vor dem Rufen“. Im Deutschen wird die Konstruktion gewöhnlich mit einem Nebensatz wiedergegeben: „bevor Philippus dich rief“.

Der Infinitiv φωνῆσαι ist ein Aorist Aktiv Infinitiv von φωνέω, „rufen“ oder „anrufen“. Der Aorist stellt den Ruf des Philippus als ein in sich geschlossenes, vor Jesu Sehen liegendes Ereignis dar. Die zeitliche Ordnung lautet daher: Zuerst sah Jesus Nathanael unter dem Feigenbaum, dann rief Philippus ihn, und anschließend kam Nathanael zu Jesus. Jesu Aussage macht jedoch deutlich, dass sein Sehen bereits vor dem Ruf des Philippus lag.

Die beiden Akkusative σε und Φίλιππον

Innerhalb der Infinitivkonstruktion stehen σε und Φίλιππον beide im Akkusativ. Ihre syntaktischen Funktionen sind dennoch verschieden. σε ist das Akkusativobjekt des Infinitivs φωνῆσαι: Philippus rief Nathanael. Φίλιππον ist das Akkusativsubjekt des Infinitivs: Philippus ist derjenige, der ruft.

Die Konstruktion lässt sich daher schematisch so auflösen: πρὸ τοῦ [σε Φίλιππον φωνῆσαι] bedeutet „bevor [du, von Philippus gerufen, beziehungsweise bevor Philippus dich rief]“. Der Akkusativ des Subjekts ist bei einem Infinitiv eine reguläre Konstruktion. Die unterschiedliche semantische Rolle von σε und Φίλιππον ergibt sich aus dem Verb φωνῆσαι und dem Zusammenhang.

ὄντα ὑπὸ τὴν συκῆν

ὄντα ist das Präsenspartizip Aktiv von εἰμί. Es steht im Akkusativ Maskulinum Singular und stimmt mit dem ersten σε, also mit Nathanael, überein. Das Partizip beschreibt den Zustand, in dem Nathanael sich befand: Er war unter dem Feigenbaum.

Das Präsenspartizip bezeichnet dabei einen gleichzeitig bestehenden Zustand. Während Philippus Nathanael rief, befand sich Nathanael unter der Feige. Die Präpositionalgruppe ὑπὸ τὴν συκῆν gibt den Ort an. ὑπό mit Akkusativ bedeutet hier „unter“ und bezeichnet keine handelnde Ursache. τὴν συκῆν ist die Akkusativform von ἡ συκῆ, „der Feigenbaum“.

εἶδόν σε und die Akzentsetzung

εἶδόν ist der Aorist Aktiv Indikativ der ersten Person Singular von ὁράω. Die Grundform des Aorists lautet εἶδον und bedeutet „ich sah“. In diesem Satz ist die erste Person durch die Rede Jesu eindeutig: „Ich sah dich.“ Die Form darf nicht als eine eigene Zeitform oder als ein anderes Verb missverstanden werden.

Die Schreibweise εἶδόν mit Akut auf der Endsilbe steht vor dem folgenden enklitischen Personalpronomen σε. Der zusätzliche Akzent trägt zur korrekten griechischen Akzentuierung der Wortgruppe εἶδόν σε bei. Ohne diese kontextbedingte Akzentsetzung begegnet die Form als εἶδον. Im vorliegenden Vers ist εἶδόν wegen des Kontextes eindeutig die erste Person Singular und nicht die dritte Person Plural.

Das zweite σε ist vom ersten zu unterscheiden. Das erste σε gehört zur Infinitivkonstruktion und ist Objekt von φωνῆσαι: Philippus rief dich. Das zweite σε ist Objekt von εἶδόν: Jesus sah dich. Die Wiederholung des Pronomens verbindet beide Aussagen eng miteinander und stellt Nathanael als dieselbe Person in beiden Ereignissen heraus.

Der erzählerische Akzent

Nathanaels Frage richtet sich auf die Quelle der Kenntnis Jesu. Jesus beantwortet sie nicht mit einer Erklärung über Philippus, sondern mit einer zeitlich und räumlich präzisen Aussage: Noch vor dem Ruf des Philippus hatte er Nathanael unter dem Feigenbaum gesehen. πρὸ τοῦ … φωνῆσαι markiert die zeitliche Priorität, während ὄντα ὑπὸ τὴν συκῆν den Ort und den gleichzeitigen Zustand Nathanaels beschreibt. Die Antwort verschiebt die Frage damit von einer gewöhnlichen Bekanntschaft zu einer Kenntnis, die dem öffentlichen Zusammentreffen vorausgeht.

Johannes 1,47: Jesus sah den Nathanael zu ihm kommend und sagt über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Täuschung ist.“

Griechischer Text

1,47 Εἶδεν ὁ Ἰησοῦς τὸν Ναθαναὴλ ἐρχόμενον πρὸς αὐτὸν καὶ λέγει περὶ αὐτοῦ· ἴδε ἀληθῶς Ἰσραηλίτης ἐν ᾧ δόλος οὐκ ἔστιν.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechische Form Morphologie Grundbedeutung Syntaktische Funktion
Εἶδεν Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular, von ὁράω sehen, erblicken Prädikat des ersten Erzählungssatzes. Der Aorist bezeichnet den abgeschlossenen Wahrnehmungsakt; der augmentierte Aorist steht am Satzanfang.
Bestimmter Artikel, Nominativ Maskulinum Singular der Begleitet Ἰησοῦς und markiert zusammen mit dem Nominativ das Subjekt.
Ἰησοῦς Eigenname, Nominativ Maskulinum Singular Jesus Subjekt zu Εἶδεν. Jesus ist zugleich das in der folgenden direkten Rede vorausgesetzte Subjekt von λέγει.
τὸν Bestimmter Artikel, Akkusativ Maskulinum Singular den Begleitet Ναθαναὴλ und kennzeichnet die Akkusativgruppe als Objekt der Wahrnehmung.
Ναθαναὴλ Eigenname, indeklinabel; hier Akkusativ Maskulinum Singular, durch den Artikel ausgewiesen Nathanael Zusammen mit τὸν Objekt zu Εἶδεν und zugleich logisches Subjekt des Partizips ἐρχόμενον.
ἐρχόμενον Präsens Medium, Partizip, Akkusativ Maskulinum Singular, von ἔρχομαι kommend, herankommend Partizipialprädikat zu Ναθαναὴλ. Das Partizip bezeichnet eine gleichzeitig zum Sehen stattfindende Handlung: Jesus sieht Nathanael, während dieser kommt.
πρὸς Präposition mit Akkusativ zu, auf … hin Leitet zusammen mit αὐτὸν die Richtungsangabe ein.
αὐτὸν Personalpronomen, Akkusativ Maskulinum Singular ihn Objekt der Präposition πρὸς. Das Pronomen bezieht sich auf Jesus: Nathanael kommt auf Jesus zu.
καὶ Koordinierende Konjunktion und Verbindet den Wahrnehmungssatz mit der anschließenden Redehandlung.
λέγει Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular, von λέγω sagen, sprechen Prädikat des zweiten Satzteils mit Jesus als Subjekt. Das Präsens ist als historisches Präsens eine lebendige Fortsetzung der Erzählung: „und er sagt“.
περὶ Präposition mit Genitiv über, hinsichtlich Leitet das Thema beziehungsweise den Bezugsgegenstand der Äußerung ein.
αὐτοῦ Personalpronomen, Genitiv Maskulinum Singular ihn, seiner Genitivergänzung zu περὶ. Das Pronomen bezieht sich auf Nathanael: Jesus spricht über ihn.
ἴδε Aorist Aktiv Imperativ, 2. Person Singular, von ὁράω siehe, sieh Aufforderung zur Aufmerksamkeit. Die Form leitet die charakterisierende Aussage über Nathanael ein und kann im Deutschen auch mit „Seht“ oder „Schaut“ wiedergegeben werden.
ἀληθῶς Adverb wahrhaftig, wirklich Adverbiale Bestimmung. Es verstärkt die folgende Bezeichnung Ἰσραηλίτης und hebt deren Echtheit hervor.
Ἰσραηλίτης Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular Israelit Charakterisierende Nominativform nach ἴδε, mit prädikativer beziehungsweise ausrufender Funktion. Nathanael wird als wahrhaftiger Israelit bezeichnet.
ἐν Präposition mit Dativ in Leitet die nähere Bestimmung zu Ἰσραηλίτης ein: in einer Person beziehungsweise in einem Menschen.
Relativpronomen, Dativ Maskulinum Singular dem, in dem Bezieht sich in Genus und Numerus auf Ἰσραηλίτης und steht wegen der Präposition ἐν im Dativ. Es eröffnet den Relativsatz ἐν ᾧ δόλος οὐκ ἔστιν.
δόλος Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular List, Täuschung, Falschheit Subjekt zu ἔστιν. Das Wort bezeichnet nicht nur eine einzelne Lüge, sondern eine Haltung der Berechnung, Hinterlist oder Unaufrichtigkeit.
οὐκ Verneinungspartikel nicht, kein Negiert ἔστιν. Die Form οὐκ steht vor dem vokalisch anlautenden Verb und verneint den behaupteten Sachverhalt.
ἔστιν Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular, von εἰμί ist, befindet sich Prädikat des Relativsatzes. Mit δόλος als Subjekt ergibt sich wörtlich: „in dem keine Täuschung ist“ beziehungsweise „in dem es keine Falschheit gibt“.

Wörtliche Übersetzung

Jesus sah den Nathanael zu ihm kommend und sagt über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Täuschung ist.“

Flüssigere Übersetzung

Als Jesus Nathanael auf sich zukommen sah, sagte er über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist.“

Philologische Hinweise

Die Wahrnehmung des kommenden Nathanael

Der Satz beginnt mit Εἶδεν, dem Aorist von ὁράω. Die Erzählung stellt damit einen abgeschlossenen Wahrnehmungsakt heraus: Jesus sieht Nathanael. Auf τὸν Ναθαναὴλ folgt ἐρχόμενον im Akkusativ. Diese Verbindung ist eine typische partizipiale Konstruktion der Wahrnehmung: Das Akkusativobjekt und das Partizip bilden zusammen den wahrgenommenen Vorgang. Jesus sieht nicht lediglich Nathanael, sondern Nathanael, wie er kommt.

Das Präsenspartizip ἐρχόμενον bezeichnet Gleichzeitigkeit zum Wahrnehmen. Es beschreibt Nathanael im Vorgang des Herankommens. Die Form ist morphologisch ein Medium, gehört aber zum deponentischen Verb ἔρχομαι, das in dieser Bedeutung aktiv übersetzt wird.

Die Richtungsangabe πρὸς αὐτόν

Die Präpositionalgruppe πρὸς αὐτόν bestimmt die Richtung des Kommens. πρὸς mit Akkusativ kann eine Bewegung auf eine Person hin ausdrücken. αὐτόν bezieht sich hier auf Jesus. Nathanael kommt also nicht nur allgemein näher, sondern bewegt sich auf Jesus zu. Die Gruppe macht die Begegnung räumlich und erzählerisch konkret.

καὶ λέγει als lebendige Erzählungsfortsetzung

Mit καὶ λέγει wechselt der Text von der Wahrnehmung zur Rede Jesu. Das Präsens λέγει ist im erzählenden Zusammenhang als historisches Präsens zu verstehen. Es vergegenwärtigt die Handlung und lässt Jesu unmittelbare Reaktion lebendig hervortreten. Das Subjekt bleibt Jesus, obwohl sein Name nicht wiederholt wird.

περὶ αὐτοῦ bedeutet „über ihn“ oder „hinsichtlich seiner“. Das Pronomen αὐτοῦ steht im Genitiv, weil es von περὶ regiert wird, und nimmt Nathanael wieder auf. Jesu folgende Worte sind daher eine öffentliche Charakterisierung Nathanaels.

ἴδε und die Bezeichnung ἀληθῶς Ἰσραηλίτης

ἴδε ist formal der Aoristimperativ Singular von ὁράω. Als Aufforderung zur Aufmerksamkeit kann die Form mit „Siehe“, „Sieh“ oder „Schaut“ übersetzt werden. Sie lenkt den Blick der Hörer auf Nathanael und eröffnet eine wertende Beschreibung.

ἀληθῶς, „wahrhaftig“ oder „wirklich“, steht adverbial bei der folgenden Bezeichnung. Ἰσραηλίτης ist ein Nominativ Singular und bezeichnet Nathanael als Israeliten. Die Nominativform kann nach ἴδε ausrufend beziehungsweise prädikativ verstanden werden: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit.“ Der Ausdruck hebt nicht nur Nathanaels ethnische Zugehörigkeit hervor, sondern qualifiziert ihn als einen Israeliten, dessen Verhalten dem Anspruch dieser Bezeichnung entspricht.

Der Relativsatz ἐν ᾧ δόλος οὐκ ἔστιν

Die Wortgruppe ἐν ᾧ eröffnet einen Relativsatz. ᾧ stimmt mit Ἰσραηλίτης in Maskulinum und Singular überein und steht als Dativ nach ἐν. Der Satz bedeutet wörtlich „in dem keine Täuschung ist“. Das Relativpronomen bezieht sich somit auf die charakterisierte Person Nathanaels.

δόλος ist das Subjekt zu ἔστιν. Das Substantiv kann „List“, „Täuschung“, „Betrug“, „Hinterlist“ oder „Falschheit“ bedeuten. Im vorliegenden Zusammenhang beschreibt es eine innere oder zwischenmenschliche Unaufrichtigkeit, nicht bloß eine einzelne falsche Aussage. Die Negation οὐκ ἔστιν erklärt, dass eine solche Haltung in Nathanael nicht vorhanden ist. Die flüssige Übersetzung „in dem keine Falschheit ist“ bewahrt deshalb den Charakter der Aussage besser als eine bloße Wiedergabe mit „der nicht lügt“.

Der theologische und erzählerische Akzent

Jesu Aussage steht in einem auffälligen Spannungsverhältnis zu Nathanaels vorheriger Skepsis gegenüber Nazareth. Der Vers beschreibt ihn nicht als oberflächlich arglos, sondern als einen Menschen ohne δόλος, also ohne Hinterlist und ohne unehrliche Absicht. Seine Frage konnte kritisch oder prüfend sein, wird von Jesus jedoch nicht als Täuschung verurteilt. Die Charakterisierung bereitet die anschließende Reaktion Nathanaels und die weitere Offenbarung Jesu vor.

Johannes 1,46 Und Nathanael sagte zu ihm: „Kann aus Nazareth etwas Gutes sein?“ Philippus sagt zu ihm: „Komm und sieh.“

Griechischer Text

1,46 καὶ εἶπεν αὐτῷ Ναθαναήλ· ἐκ Ναζαρὲτ δύναταί τι ἀγαθὸν εἶναι; λέγει αὐτῷ \[ὁ\] Φίλιππος· ἔρχου καὶ ἴδε.

Markierte Textform: Die Zeichen \[ὁ\] werden entsprechend der gelieferten Textfassung sichtbar beibehalten. Die Klammermarkierung wird in der Analyse als Kennzeichnung der Form ὁ behandelt.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechisches Wort Grundform Grammatische Bestimmung Bedeutung und Funktion
καὶ καί Konjunktion „und“; verbindet die Redehandlung mit dem folgenden Sprechen.
εἶπεν λέγω, Aorist εἶπον Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular „er sagte“; Aoristform von λέγω beziehungsweise εἶπον. Das Subjekt wird durch Ναθαναήλ nachgestellt.
αὐτῷ αὐτός Dativ Singular, Maskulinum, Personalpronomen „zu ihm“; bezeichnet den Gesprächspartner, an den Nathanaël seine Frage richtet.
Ναθαναήλ· Ναθαναήλ Nominativ Singular, Eigenname „Nathanael“; nachgestelltes Subjekt zu εἶπεν und damit Sprecher der Frage. Das nachgestellte Satzzeichen leitet die direkte Rede ein.
ἐκ ἐκ Präposition mit Genitiv „aus“ oder „von“; leitet die Herkunftsangabe ἐκ Ναζαρέτ ein.
Ναζαρέτ Ναζαρέτ Unveränderlicher Ortsname, von ἐκ abhängig „Nazareth“; zusammen mit ἐκ: „aus Nazareth“. Der Ortsname bleibt in dieser Form unverändert.
δύναταί δύναμαι Präsens Medium/Passiv Indikativ, 3. Person Singular, deponentisch „er kann“ oder hier unpersönlich „kann“; bezeichnet Möglichkeit oder Fähigkeit. Die Form ist medium/passiv gebildet, wird aber aktivisch übersetzt.
τι τις, τι Akkusativ Singular, Neutrum, Indefinitpronomen „etwas“; Bestandteil der neutralen Akkusativgruppe τι ἀγαθόν: „etwas Gutes“.
ἀγαθὸν ἀγαθός, -ή, -όν Akkusativ Singular, Neutrum, Adjektiv „gut“; substantivisch mit τι gebraucht und diesem in Genus, Numerus und Kasus entsprechend: „etwas Gutes“.
εἶναι εἰμί Präsens Aktiv Infinitiv „sein“; Infinitiv zu δύναταί. Zusammen mit τι ἀγαθὸν: „dass etwas Gutes sein kann“ beziehungsweise in der Frage „kann etwas Gutes sein?“
λέγει λέγω Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular „er sagt“; erzählendes Präsens. Das Subjekt wird durch Φίλιππος genannt.
αὐτῷ αὐτός Dativ Singular, Maskulinum, Personalpronomen „zu ihm“; bezeichnet Nathanael als Empfänger der Antwort des Philippus.
\[ὁ\] ὁ, ἡ, τό Markierter Nominativ Singular, Maskulinum, bestimmter Artikel „der“; sichtbar markierte Textform vor Φίλιππος. Die Klammermarkierung wird beibehalten und kennzeichnet ὁ als markierte Form des gelieferten Textes.
Φίλιππος· Φίλιππος Nominativ Singular, Maskulinum, Eigenname „Philippus“; Subjekt zu λέγει und Sprecher der anschließenden Aufforderung. Das nachgestellte Satzzeichen leitet die direkte Rede ein.
ἔρχου ἔρχομαι Präsens Medium Imperativ, 2. Person Singular, deponentisch „komm“; Aufforderung an eine einzelne angesprochene Person. Die Form ist medium gebildet und wird deponentisch aktiv übersetzt.
καὶ καί Konjunktion „und“; verbindet die beiden Aufforderungen „komm“ und „sieh“.
ἴδε. ὁράω, Aorist εἶδον Aorist Aktiv Imperativ, 2. Person Singular „sieh“ oder „schau“; Aorist-Imperativ von ὁράω über die Aoristgrundform εἶδον. Die Aufforderung richtet sich an Nathanael.

Wörtliche Gesamtübersetzung

Und Nathanael sagte zu ihm: „Kann aus Nazareth etwas Gutes sein?“ Philippus sagt zu ihm: „Komm und sieh.“

Flüssigere Wiedergabe

Nathanael fragte ihn: „Kann aus Nazareth wirklich etwas Gutes kommen?“ Philippus sagt zu ihm: „Komm und sieh selbst.“

Hinweise und Anmerkungen

1. καὶ εἶπεν αὐτῷ Ναθαναήλ

καὶ verbindet die neue Redehandlung mit dem vorhergehenden Gespräch. εἶπεν ist der Aorist Aktiv Indikativ in der dritten Person Singular. Die Form gehört zu λέγω und verwendet den Aoriststamm εἶπ-, der mit εἶπον verbunden ist. Die Grundbedeutung lautet „er sagte“. Das Subjekt steht nach dem Verb: Ναθαναήλ ist Nominativ Singular und damit der Sprecher der folgenden Frage. Die Wortstellung stellt die Handlung des Sagens zuerst dar und nennt den Sprecher anschließend.

2. αὐτῷ und der Gesprächsbezug

αὐτῷ steht im Dativ Singular und bedeutet „zu ihm“. Der Dativ bezeichnet die Person, an die Nathanael seine Frage richtet. Im unmittelbaren Dialog ist dies Philippus. Im zweiten Satz nimmt αὐτῷ den Dativ erneut auf, nun als Empfänger der Antwort des Philippus: Philippus sagt zu Nathanael.

3. ἐκ Ναζαρέτ

ἐκ ist eine Präposition mit Genitiv und bedeutet „aus“ oder „von“. Zusammen mit Ναζαρέτ bildet sie die Herkunftsangabe „aus Nazareth“. Ναζαρέτ ist ein unveränderlicher Ortsname. Er zeigt seine Abhängigkeit von ἐκ nicht durch eine besondere Endung, sondern bleibt formal gleich. Die Herkunftsangabe steht am Anfang der Frage und bildet dadurch den Ausgangspunkt des Einwands.

4. δύναταί τι ἀγαθὸν εἶναι

δύναταί ist die Form des Präsens Medium/Passiv Indikativs, dritte Person Singular, von δύναμαι. Das Verb ist deponentisch und wird aktivisch mit „können“ übersetzt. Der anschließende Infinitiv εἶναι ergänzt die Möglichkeit: „sein können“.

τι ἀγαθὸν ist eine neutrale Akkusativgruppe. τι bedeutet „etwas“ und ist das Indefinitpronomen im Akkusativ Singular Neutrum. ἀγαθὸν ist das dazugehörige Adjektiv im Akkusativ Singular Neutrum und wird substantivisch gebraucht: „etwas Gutes“. Zusammen mit εἶναι entsteht die Frage, ob etwas Gutes aus Nazareth sein könne.

5. Die direkte Frage

Die Frage ἐκ Ναζαρέτ δύναταί τι ἀγαθὸν εἶναι? lautet wörtlich: „Kann aus Nazareth etwas Gutes sein?“ Die Herkunftsangabe ἐκ Ναζαρέτ steht vor der Verbgruppe und bestimmt den Ausgangspunkt, von dem her Nathanael die Möglichkeit beurteilt. Die flüssigere Wiedergabe „Kann aus Nazareth wirklich etwas Gutes kommen?“ gibt den skeptischen Charakter der Frage idiomatischer wieder. Das im Griechischen stehende εἶναι, „sein“, wird dabei im Deutschen als „kommen“ ausgedrückt, weil die Herkunftsfrage so natürlicher klingt.

6. λέγει αὐτῷ \[ὁ\] Φίλιππος

λέγει ist das Präsens Aktiv Indikativ in der dritten Person Singular von λέγω und bedeutet „er sagt“. Das Präsens kann als erzählendes Präsens verstanden werden und vergegenwärtigt die Antwort. αὐτῷ steht wieder im Dativ und bezeichnet Nathanael als Empfänger der Rede.

Vor Φίλιππος steht in der gelieferten Textfassung die sichtbar markierte Form \[ὁ\]. ὁ ist der bestimmte Artikel im Nominativ Singular Maskulinum und stimmt mit Φίλιππος überein. Die Zeichen \[ \] werden hier nicht entfernt oder stillschweigend in eine unmarkierte Form umgewandelt. Φίλιππος selbst steht im Nominativ Singular und ist das Subjekt zu λέγει: „Philippus sagt zu ihm“.

7. ἔρχου καὶ ἴδε

ἔρχου ist der Präsens Medium Imperativ in der zweiten Person Singular von ἔρχομαι. Das Verb ist deponentisch und bedeutet in dieser Form „komm“. Der Präsens-Imperativ stellt die Aufforderung als unmittelbare Handlung oder als Einladung dar.

ἴδε ist der Aorist Aktiv Imperativ in der zweiten Person Singular von ὁράω. Der Aorist verwendet den Stamm εἰδ- beziehungsweise die Form ἴδε und bedeutet „sieh“, „schau“ oder „sieh selbst“. Zusammen bilden ἔρχου καὶ ἴδε eine knappe Aufforderung: „Komm und sieh.“ Philippus beantwortet den Einwand nicht durch eine ausführliche Argumentation, sondern lädt Nathanael zur eigenen Prüfung ein.

8. Übersetzungsentscheidungen

Die wörtliche Übersetzung hält die beiden Verben des griechischen Dialogs eng fest: „sagte“ und „sagt“. Ebenso bewahrt sie εἶναι mit „sein“ und die knappe Aufforderung ἔρχου καὶ ἴδε mit „Komm und sieh“. Die flüssigere Wiedergabe macht aus εἶπεν eine deutsche Frageeinleitung, gibt die skeptische Nuance mit „wirklich“ wieder und übersetzt εἶναι im Zusammenhang der Herkunftsfrage idiomatisch mit „kommen“. Die markierte Form \[ὁ\] bleibt als textliche Kennzeichnung erhalten, ohne sie in der Übersetzung künstlich abzubilden.

Zusammenfassung

Nathanael reagiert auf die Nachricht von Jesus mit einer skeptischen Frage nach dessen Herkunft: Kann aus Nazareth etwas Gutes sein? Die Frage ist grammatisch durch die Herkunftsangabe ἐκ Ναζαρέτ, die deponentische Form δύναταί, die neutrale Akkusativgruppe τι ἀγαθόν und den Infinitiv εἶναι geprägt. Philippus antwortet knapp und praktisch: Er fordert Nathanael auf, mitzukommen und selbst zu sehen.

Johannes 1,45 – Philippus findet Nathanael und sagt zu ihm: „Den, den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, haben wir gefunden: Jesus, den Sohn des Joseph, den aus Nazareth.“

Griechischer Text

1,45 εὑρίσκει Φίλιππος τὸν Ναθαναὴλ καὶ λέγει αὐτῷ· ὃν ἔγραψεν Μωϋσῆς ἐν τῷ νόμῳ καὶ οἱ προφῆται εὑρήκαμεν, Ἰησοῦν υἱὸν τοῦ Ἰωσὴφ τὸν ἀπὸ Ναζαρέτ.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechisches Wort Grundform Grammatische Bestimmung Bedeutung und Funktion
εὑρίσκει εὑρίσκω Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular „er findet“; erzählendes Präsens. Das Subjekt wird durch Φίλιππος ausdrücklich genannt.
Φίλιππος Φίλιππος Nominativ Singular, Maskulinum, Eigenname „Philippus“; Subjekt zu εὑρίσκει und zu λέγει.
τὸν ὁ, ἡ, τό Akkusativ Singular, Maskulinum, bestimmter Artikel „den“; Artikel zu Ναθαναὴλ und Kennzeichnung des Akkusativobjekts.
Ναθαναὴλ Ναθαναήλ Akkusativ Singular, Eigenname „Nathanael“; zusammen mit τὸν Akkusativobjekt zu εὑρίσκει.
καὶ καί Konjunktion „und“; verbindet die beiden Handlungen des Findens und Sagens.
λέγει λέγω Präsens Aktiv Indikativ, 3. Person Singular „er sagt“; erzählendes Präsens mit Φίλιππος als Subjekt.
αὐτῷ· αὐτός Dativ Singular, Maskulinum, Personalpronomen „zu ihm“; Dativ der angesprochenen Person, bezogen auf Nathanael. Das Satzzeichen leitet die direkte Rede ein.
ὃν ὅς, ἥ, ὅ Akkusativ Singular, Maskulinum, Relativpronomen „den“ oder „denjenigen, den“; Akkusativobjekt zu ἔγραψεν. Das Relativpronomen bezieht sich inhaltlich auf Jesus als die angekündigte Person.
ἔγραψεν γράφω Aorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singular „schrieb“; das Subjekt ist Μωϋσῆς. Der Aorist stellt das Schreiben als abgeschlossene Handlung dar.
Μωϋσῆς Μωϋσῆς Nominativ Singular, Maskulinum, Eigenname „Mose“; Subjekt zu ἔγραψεν.
ἐν ἐν Präposition mit Dativ „in“; leitet zusammen mit τῷ νόμῳ die Orts- oder Bereichsangabe „im Gesetz“ ein.
τῷ ὁ, ἡ, τό Dativ Singular, Maskulinum, bestimmter Artikel „dem“; Artikel zu νόμῳ.
νόμῳ νόμος Dativ Singular, Maskulinum „Gesetz“; mit ἐν: „im Gesetz“. Die Wortgruppe bezeichnet den schriftlichen Bereich, in dem Mose bezeugt.
καὶ καί Konjunktion „und“; verbindet Μωϋσῆς mit οἱ προφῆται und erweitert den Kreis der schriftlichen Zeugen.
οἱ ὁ, ἡ, τό Nominativ Plural, Maskulinum, bestimmter Artikel „die“; Artikel zu προφῆται.
προφῆται προφήτης Nominativ Plural, Maskulinum „Propheten“; mit Μωϋσῆς verbunden. Die prophetische Bezeugung wird als weiterer schriftlicher Zeuge neben Mose einbezogen.
εὑρήκαμεν, εὑρίσκω Perfekt Aktiv Indikativ, 1. Person Plural „wir haben gefunden“; Perfekt mit abgeschlossener Handlung und gegenwärtig gültigem Ergebnis. Das Subjekt „wir“ ist in der Verbform enthalten, aber nicht eigens genannt.
Ἰησοῦν Ἰησοῦς Akkusativ Singular, Maskulinum, Eigenname „Jesus“; Teil der Akkusativgruppe, die das Gefundene näher bezeichnet.
υἱὸν υἱός Akkusativ Singular, Maskulinum „Sohn“; mit τοῦ Ἰωσὴφ: „Sohn des Joseph“. Das Wort gehört zur Akkusativgruppe um Ἰησοῦν.
τοῦ ὁ, ἡ, τό Genitiv Singular, Maskulinum, bestimmter Artikel „des“; Artikel zu Ἰωσὴφ und Kennzeichnung der Genitivbeziehung.
Ἰωσὴφ Ἰωσήφ Genitiv Singular, Eigenname „Joseph“; Genitivattribut zu υἱὸν: „Sohn des Joseph“.
τὸν ὁ, ἡ, τό Akkusativ Singular, Maskulinum, bestimmter Artikel „den“; Artikel der näheren Bestimmung τὸν ἀπὸ Ναζαρέτ zu Ἰησοῦν.
ἀπὸ ἀπό Präposition mit Genitiv „aus“ oder „von“; bezeichnet hier die Herkunft beziehungsweise Zuordnung zu einem Ort.
Ναζαρέτ. Ναζαρέτ Ortsname, von ἀπό abhängig „Nazareth“; Ortsname. Zusammen mit τὸν ἀπὸ Ναζαρέτ: „den aus Nazareth“. Der Punkt ist Teil der gelieferten Zeichensetzung.

Wörtliche Gesamtübersetzung

Philippus findet Nathanael und sagt zu ihm: „Den, den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, haben wir gefunden: Jesus, den Sohn des Joseph, den aus Nazareth.“

Flüssigere Wiedergabe

Philippus findet Nathanael und sagt zu ihm: „Wir haben ihn gefunden, von dem Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josephs, aus Nazareth.“

Hinweise und Anmerkungen

1. εὑρίσκει Φίλιππος τὸν Ναθαναὴλ

εὑρίσκει steht im Präsens Aktiv Indikativ in der dritten Person Singular und bedeutet „er findet“. Φίλιππος folgt als ausdrücklich genannter Nominativ und ist das Subjekt. τὸν Ναθαναὴλ steht im Akkusativ und bezeichnet die Person, die Philippus findet. Das Präsens kann als erzählendes Präsens verstanden werden: Die Handlung wird unmittelbar und anschaulich vergegenwärtigt.

2. καὶ λέγει αὐτῷ

καὶ verbindet das Finden mit dem anschließenden Sprechen. λέγει ist ebenfalls ein erzählendes Präsens und hat Philippus als Subjekt. αὐτῷ steht im Dativ und bedeutet „zu ihm“. Der Dativ bezeichnet den Empfänger beziehungsweise die angesprochene Person, nämlich Nathanael. Die direkte Rede beginnt mit ὃν.

3. ὃν ἔγραψεν Μωϋσῆς

ὃν ist der Akkusativ Singular des Relativpronomens ὅς, ἥ, ὅ. Es ist das Akkusativobjekt zu ἔγραψεν und bezeichnet denjenigen, über den Mose geschrieben hat. Im weiteren Verlauf der Rede wird dieser Bezug auf Jesus als die angekündigte beziehungsweise schriftlich bezeugte Person aufgelöst.

ἔγραψεν ist der Aorist Aktiv Indikativ in der dritten Person Singular von γράφω, „schreiben“. Μωϋσῆς steht im Nominativ Singular und ist das Subjekt. Der Aorist fasst das Schreiben des Mose als abgeschlossene Handlung zusammen.

4. ἐν τῷ νόμῳ καὶ οἱ προφῆται

ἐν τῷ νόμῳ bedeutet wörtlich „im Gesetz“. Die Präposition ἐν steht mit dem Dativ; τῷ νόμῳ ist daher eine Dativgruppe. Die Angabe bezeichnet den Bereich des Gesetzes, in dem Mose die schriftliche Bezeugung niedergelegt hat.

καὶ οἱ προφῆται bedeutet „und die Propheten“. οἱ προφῆται steht im Nominativ Plural und ist mit καὶ an Μωϋσῆς angeschlossen. Das Verb ἔγραψεν wird bei der zweiten Nominalgruppe nicht wiederholt. Im Zusammenhang ist die Aussage sinngemäß auf die Propheten mitzubeziehen: Mose im Gesetz und die Propheten gehören gemeinsam zum schriftlichen Zeugnis, auf das Philippus verweist. Die Wortstellung rückt damit die Verbindung zwischen der mosaischen und der prophetischen Bezeugung in den Vordergrund.

5. εὑρήκαμεν

εὑρήκαμεν ist das Perfekt Aktiv Indikativ in der ersten Person Plural von εὑρίσκω. Die wörtliche Bedeutung lautet „wir haben gefunden“. Das Perfekt bezeichnet eine abgeschlossene Suche mit einem Ergebnis, das für die Gegenwart gilt. Das Personalpronomen „wir“ ist nicht selbständig ausgesprochen, sondern in der Verbform enthalten. Der Text nennt an dieser Stelle nicht ausdrücklich, wer neben Philippus in dieses „Wir“ eingeschlossen ist.

6. Ἰησοῦν υἱὸν τοῦ Ἰωσὴφ

Ἰησοῦν υἱὸν τοῦ Ἰωσὴφ bildet eine zusammenhängende Akkusativgruppe. Ἰησοῦν bezeichnet die gefundene Person. υἱὸν bedeutet „Sohn“ und wird durch τοῦ Ἰωσὴφ näher bestimmt. τοῦ Ἰωσὴφ steht im Genitiv und bedeutet „des Joseph“. Die gesamte Gruppe lautet daher: „Jesus, den Sohn des Joseph“.

7. τὸν ἀπὸ Ναζαρέτ

τὸν ἀπὸ Ναζαρέτ ist eine weitere nähere Bestimmung zu Ἰησοῦν und bedeutet „den aus Nazareth“. ἀπό steht mit dem Genitiv und bezeichnet die Herkunft oder den Ausgangspunkt. Ναζαρέτ ist der zugehörige Ortsname. Der bestimmte Artikel τὸν nimmt die maskuline Akkusativform auf und fügt die Ortsangabe attributiv in die Bezeichnung Jesu ein.

8. Übersetzungsentscheidungen

Die wörtliche Gesamtübersetzung bewahrt die Reihenfolge und die enge Relativkonstruktion des griechischen Satzes so weit wie möglich. Dadurch klingt die deutsche Formulierung bewusst weniger glatt. Die flüssigere Wiedergabe stellt die Aussage im Deutschen natürlicher um: Aus „Den, den Mose … geschrieben haben, haben wir gefunden“ wird „Wir haben ihn gefunden, von dem Mose … geschrieben haben“. Beide Fassungen behalten den Bezug von ὃν auf die schriftlich bezeugte Person und die anschließende Identifikation Jesu bei.

Zusammenfassung

Philippus findet Nathanael und spricht ihn unmittelbar an. Er erklärt, dass die von Mose im Gesetz und von den Propheten bezeugte Person gefunden ist. Diese Person wird als Jesus, der Sohn des Joseph, näher bestimmt und mit der Herkunftsangabe „aus Nazareth“ bezeichnet. Der Vers verbindet so schriftliche Erwartung, persönliche Begegnung und konkrete Identifikation.

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