Griechischer Originaltext
οἳ οὐκ ἐξ αἱμάτων οὐδὲ ἐκ θελήματος σαρκὸς οὐδὲ ἐκ θελήματος ἀνδρὸς ἀλλ’ ἐκ θεοῦ ἐγεννήθησαν.
Wort-für-Wort-Analyse
| Griechisches Wort | Wörterbuchform | Grammatische Form | Wörtliche Übersetzung |
|---|---|---|---|
| οἳ | ὅς, ἥ, ὅ | Relativpronomen, Nominativ Maskulinum Plural | die, welche |
| οὐκ | οὐ | Verneinungspartikel, Form vor Vokal | nicht |
| ἐξ | ἐκ | Präposition mit Genitiv, Form vor Vokal | aus, von |
| αἱμάτων | αἷμα | Genitiv Neutrum Plural | Blut, Blutsverhältnissen |
| οὐδὲ | οὐδέ | koordinierende Verneinungspartikel beziehungsweise Konjunktion | noch, auch nicht |
| ἐκ | ἐκ | Präposition mit Genitiv, Form vor Konsonant | aus, von |
| θελήματος | θέλημα | Genitiv Neutrum Singular | Willen, Wollen |
| σαρκὸς | σάρξ | Genitiv Femininum Singular | des Fleisches |
| οὐδὲ | οὐδέ | koordinierende Verneinungspartikel beziehungsweise Konjunktion | noch, auch nicht |
| ἐκ | ἐκ | Präposition mit Genitiv, Form vor Konsonant | aus, von |
| θελήματος | θέλημα | Genitiv Neutrum Singular | Willen, Wollen |
| ἀνδρὸς | ἀνήρ | Genitiv Maskulinum Singular | eines Mannes |
| ἀλλ’ | ἀλλά | entgegenstellende Konjunktion, gekürzte Form vor Vokal | sondern, aber vielmehr |
| ἐκ | ἐκ | Präposition mit Genitiv, Form vor Konsonant | aus, von |
| θεοῦ | θεός | Genitiv Maskulinum Singular | Gott |
| ἐγεννήθησαν | γεννάω | Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Plural | sie wurden geboren |
Wörtliche Gesamtübersetzung
Die nicht aus Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden.
Grammatische und syntaktische Hinweise
1. οἳ und der Bezug zum vorherigen Vers
οἳ ist ein Relativpronomen im Nominativ Maskulinum Plural. Als Nominativ bezeichnet es das Subjekt des Verbs ἐγεννήθησαν: „die, welche geboren wurden“. Im unmittelbaren Zusammenhang kann das Pronomen diejenigen wieder aufnehmen, die in Vers 12 als die beschrieben werden, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glauben. Diese Beziehung ergibt sich aus dem Zusammenhang der Verse und nicht allein aus der isolierten Wortbedeutung von οἳ. Die maskuline Pluralform kann sich auf eine Gruppe von Personen beziehen.
2. ἐξ und ἐκ mit Genitiv
ἐξ und ἐκ sind zwei lautbedingte Formen derselben Präposition. ἐξ steht hier vor dem Vokal in αἱμάτων, während ἐκ vor den folgenden Konsonanten steht. Beide Präpositionen regieren den Genitiv und bezeichnen hier Herkunft, Ursprung oder Quelle: „aus“ beziehungsweise „von“. Die wiederholte Präposition strukturiert die verschiedenen Ursprungsangaben des Satzes.
3. αἱμάτων und die Bedeutung des Plurals
αἱμάτων ist der Genitiv Plural des Neutrums αἷμα, „Blut“. Die griechische Form lautet also wörtlich „aus Blütern“. Im Deutschen ist „aus Blut“ die natürliche wörtliche Wiedergabe, während der Plural darauf hinweist, dass der griechische Ausdruck formal mehrere Blutbezüge oder Blutsverhältnisse bezeichnet. Der Text legt an dieser Stelle nicht durch das Substantiv allein fest, welche konkrete menschliche Abstammungsvorstellung damit gemeint ist.
4. θελήματος σαρκὸς und θελήματος ἀνδρὸς
In ἐκ θελήματος σαρκὸς ist θελήματος der von ἐκ regierte Genitiv Singular von θέλημα, „Wille“ oder „Wollen“. σαρκὸς, der Genitiv Singular von σάρξ, ist von θελήματος abhängig: „des Willens des Fleisches“ beziehungsweise „des fleischlichen Willens“.
Dasselbe Satzmuster liegt in ἐκ θελήματος ἀνδρὸς vor. ἀνδρὸς ist der Genitiv Singular von ἀνήρ und bestimmt θελήματος näher: „des Willens eines Mannes“. Das Wort ἀνήρ kann je nach Zusammenhang „Mann“ oder „Ehemann“ bedeuten. Die Übersetzung „eines Mannes“ bleibt hier näher an der vorliegenden Form und legt keine weitergehende Deutung fest.
5. Die Verneinungs- und Gegenüberstellungsstruktur
Der Satz stellt drei Ursprünge verneinend einander gegenüber: οὐκ ἐξ αἱμάτων, „nicht aus Blut“, οὐδὲ ἐκ θελήματος σαρκὸς, „noch aus dem Willen des Fleisches“, und οὐδὲ ἐκ θελήματος ἀνδρὸς, „noch aus dem Willen eines Mannes“. Die beiden Vorkommen von οὐδὲ führen die Verneinung jeweils weiter. Die drei Präpositionalgruppen sind parallel gebaut und hängen gemeinsam von ἐγεννήθησαν ab.
ἀλλ’ leitet die positive Gegenüberstellung ein. Die gekürzte Form steht vor dem folgenden Vokal in ἐκ. Die Aussage lautet daher: nicht aus den genannten menschlichen Ursprüngen, sondern aus Gott. ἐκ θεοῦ bildet die abschließende Herkunfts- oder Ursprungsangabe und steht den drei verneinten ἐκ-Verbindungen gegenüber.
6. ἐγεννήθησαν
ἐγεννήθησαν ist der Aorist Passiv Indikativ in der dritten Person Plural von γεννάω. Die Form bedeutet wörtlich „sie wurden geboren“. Der Aorist stellt das Geborenwerden als zusammengehöriges Geschehen dar, während das Passiv die betroffenen Personen als Empfänger des Vorgangs bezeichnet. Die Präpositionalgruppe ἐκ θεοῦ nennt dabei den Ursprung oder die Quelle dieses Geborenwerdens.
γεννάω kann je nach Zusammenhang auch die Nuance „zeugen“ oder „hervorbringen“ einschließen. Deshalb ist „gezeugt wurden“ als mögliche Bedeutungsnuance zu nennen. Die wörtliche Fassung des vorliegenden Verses bleibt jedoch „geboren wurden“.
Zusammenfassung
Johannes 1,13 beschreibt die in Vers 12 aufgenommenen Personen mit einem Relativsatz als solche, deren Ursprung nicht in menschlichem Blut, nicht im Willen des Fleisches und nicht im Willen eines Mannes liegt. Die dreifache Verneinung wird durch ἀλλ’ ἐκ θεοῦ in einen klaren positiven Gegensatz überführt. Das abschließende ἐγεννήθησαν bezeichnet sie als diejenigen, die aus Gott geboren wurden.
