Griechischer Text
1,49 ἀπεκρίθη αὐτῷ Ναθαναήλ· ῥαββί, σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ, σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ.
Wort-für-Wort-Analyse
| Griechische Form | Morphologie | Grundbedeutung | Syntaktische Funktion |
|---|---|---|---|
| ἀπεκρίθη | Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular, von ἀποκρίνομαι | er antwortete | Prädikat des Eröffnungssatzes. Die Form ist passivisch gebildet, hat bei dem deponentischen Verb ἀποκρίνομαι jedoch aktivische Bedeutung: „er antwortete“. |
| αὐτῷ | Personalpronomen, Dativ Maskulinum Singular | ihm | Dativobjekt beziehungsweise Dativ der angesprochenen Person zu ἀπεκρίθη. Das Pronomen bezieht sich auf Jesus. |
| Ναθαναήλ | Eigenname, Nominativ Maskulinum Singular | Nathanael | Subjekt zu ἀπεκρίθη. Nathanael ist derjenige, der Jesus antwortet. |
| ῥαββί | Unveränderliche Anredeform, Transkription eines aramäischen Ehrentitels | Rabbi, mein Lehrer, mein Meister | Anrede ohne syntaktische Einbindung in den folgenden Nominalsatz. ῥαββί kennzeichnet Jesus als verehrten Lehrer oder Meister. |
| σὺ | Personalpronomen, Nominativ Singular, 2. Person | du | Betontes Subjekt der ersten prädikativen Aussage. Die ausdrückliche Nennung des Pronomens hebt Jesus als denjenigen hervor, auf den Nathanael seine Aussage richtet. |
| εἶ | Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular, von εἰμί | du bist | Kopula der ersten prädikativen Aussage. Sie verbindet σὺ mit der Nominalgruppe ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ. |
| ὁ | Bestimmter Artikel, Nominativ Maskulinum Singular | der | Artikel zu υἱὸς. Er macht die Nominalgruppe ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ zu einer artikulierten Bezeichnung. |
| υἱὸς | Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular | Sohn | Prädikatsnomen im ersten Nominalsatz. Zusammen mit ὁ und τοῦ θεοῦ bildet es die Aussage „der Sohn Gottes“. |
| τοῦ | Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular | des | Artikel zum Genitivattribut θεοῦ. Er stimmt mit θεοῦ in Kasus, Numerus und Genus überein. |
| θεοῦ | Substantiv, Genitiv Maskulinum Singular, von θεός | Gott | Genitivattribut zu υἱὸς. Die Verbindung τοῦ θεοῦ bestimmt, wessen Sohn gemeint ist: „Gottes“. |
| σὺ | Personalpronomen, Nominativ Singular, 2. Person | du | Erneut betontes Subjekt, jetzt der zweiten prädikativen Aussage. Die Wiederholung gliedert und verstärkt die parallele Bekenntnisformel. |
| βασιλεὺς | Substantiv, Nominativ Maskulinum Singular, von βασιλεύς | König | Prädikatsnomen der zweiten Aussage. Es steht ohne Artikel und wird durch die Kopula εἶ mit dem betonten Subjekt σὺ verbunden. |
| εἶ | Präsens Aktiv Indikativ, 2. Person Singular, von εἰμί | du bist | Kopula der zweiten prädikativen Aussage. Die Endstellung unterstreicht zusammen mit dem wiederholten σὺ die parallele Satzstruktur. |
| τοῦ | Bestimmter Artikel, Genitiv Maskulinum Singular | des | Artikel zum Genitivattribut Ἰσραήλ. Er leitet die Bezugsangabe zu βασιλεὺς ein. |
| Ἰσραήλ | Eigenname, indeklinabel; hier Genitiv Maskulinum Singular | Israel | Genitivattribut beziehungsweise Bezugsangabe zu βασιλεὺς. Die Wendung bezeichnet den König in seiner Beziehung zu Israel: „König Israels“. |
Wörtliche Übersetzung
Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist König Israels.“
Flüssigere Übersetzung
Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.“
Philologische Hinweise
ἀπεκρίθη αὐτῷ Ναθαναήλ
Der Vers beginnt mit ἀπεκρίθη, der dritten Person Singular im Aorist Passiv Indikativ von ἀποκρίνομαι. Das Verb besitzt eine passivische Form, wird hier aber deponentisch mit aktivischer Bedeutung gebraucht: „er antwortete“. Der Aorist stellt Nathanaels Antwort als abgeschlossene Reaktion auf Jesu vorherige Aussage dar.
αὐτῷ steht im Dativ und bezeichnet die Person, an die Nathanael seine Antwort richtet. Es ist das Dativobjekt beziehungsweise der von ἀπεκρίθη geforderte Dativ und bezieht sich auf Jesus. Ναθαναήλ steht im Nominativ und ist das Subjekt des Verbs. Die Satzordnung lässt sich daher wörtlich als „Es antwortete ihm Nathanael“ wiedergeben, idiomatisch jedoch als „Nathanael antwortete ihm“.
ῥαββί als Anrede
ῥαββί ist eine griechische Transkription des aramäischen Ehrentitels „Rabbi“. Die Form ist im Griechischen unveränderlich und steht als selbstständige Anrede vor dem Bekenntnis. Die Grundbedeutung des aramäischen Titels ist etwa „mein Lehrer“ oder „mein Meister“. Im Zusammenhang ist ῥαββί mehr als eine bloße Höflichkeitsformel: Nathanael erkennt Jesus als eine Person an, die mit besonderer Autorität lehrt.
Die Anrede ῥαββί gehört syntaktisch nicht zu einer der beiden folgenden Kopulastrukturen. Sie eröffnet vielmehr die direkte Rede und markiert den persönlichen Adressaten des Bekenntnisses.
Die erste prädikative Aussage: σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ
Die erste Aussage folgt dem Muster Subjekt, Kopula, Prädikatsnomen: σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ. σὺ ist das ausdrücklich genannte Personalpronomen der zweiten Person Singular und bedeutet „du“. Da die Verbform εἶ die Person bereits erkennen lässt, ist die zusätzliche Nennung von σὺ betont. Nathanael stellt Jesus ausdrücklich als denjenigen heraus, auf den die folgende Bezeichnung zutrifft.
εἶ ist die Präsensform der zweiten Person Singular von εἰμί und fungiert hier als Kopula. Sie verbindet das Subjekt σὺ mit dem Prädikatsnomen υἱὸς. Der Präsensgebrauch bezeichnet eine gegenwärtig gültige Identität: „Du bist“.
ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ ist eine artikulierte Nominalgruppe. Der Artikel ὁ gehört zu υἱὸς, der im Nominativ Maskulinum Singular steht. Die Gruppe wird durch τοῦ θεοῦ näher bestimmt. τοῦ ist der bestimmte Artikel im Genitiv, θεοῦ der Genitiv von θεός. Zusammen bilden sie ein Genitivattribut zu υἱὸς: „der Sohn Gottes“. Der Genitiv gibt die Beziehung oder Zugehörigkeit an und bestimmt, wessen Sohn gemeint ist.
Die zweite prädikative Aussage: σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ
Die zweite Aussage wiederholt bewusst das betonte σὺ. Dadurch entstehen zwei parallel gebaute Zuschreibungen: „Du bist …; du bist …“. Die Wiederholung verbindet die Aussagen, ohne ihre jeweiligen Titel miteinander zu verschmelzen. Nathanael bekennt Jesus sowohl als den Sohn Gottes als auch als König Israels.
βασιλεὺς ist ein Nominativ Maskulinum Singular und fungiert als Prädikatsnomen zu εἶ. Anders als die erste Nominalgruppe steht βασιλεὺς ohne bestimmten Artikel. Die artikellose Form kann die Bezeichnung als Rang- oder Funktionsangabe hervorheben: Jesus ist „König“. Die Kopula εἶ steht nach dem Prädikatsnomen und bildet mit σὺ die zweite Nominalprädikation.
τοῦ Ἰσραήλ ist die Bezugsangabe zu βασιλεὺς. τοῦ ist der bestimmte Artikel im Genitiv, während Ἰσραήλ als Eigenname indeklinabel bleibt und hier durch den Artikel als Genitivbeziehung ausgewiesen wird. Die Verbindung kann wörtlich als „König des Israel“ verstanden werden, idiomatisch lautet sie „König Israels“. Der Genitiv bezeichnet den Bereich oder das Volk, auf das sich die Königsherrschaft bezieht.
Die parallele Struktur des Bekenntnisses
Die beiden Aussagen sind durch die Wiederholung von σὺ und εἶ parallel gestaltet:
σὺ εἶ ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ
Du bist der Sohn Gottes.
σὺ βασιλεὺς εἶ τοῦ Ἰσραήλ
Du bist König Israels.
Die erste Aussage verwendet eine artikulierte Nominalgruppe mit ὁ υἱὸς, die zweite ein artikelloses Prädikatsnomen βασιλεὺς. Beide Nomina stehen im Nominativ und werden durch εἶ mit dem betonten Subjekt σὺ verbunden. Die Genitivverbindungen unterscheiden sich in ihrer näheren Funktion: τοῦ θεοῦ bestimmt die Beziehung des Sohnes zu Gott, τοῦ Ἰσραήλ den Bezugsbereich des Königtums.
Der Zusammenhang der beiden Titel
Nathanaels Antwort greift Jesu übernatürliche Kenntnis aus dem vorhergehenden Vers auf. Die Anrede ῥαββί beginnt mit einer Anerkennung Jesu als Lehrer. Darauf folgen zwei Hoheitstitel, die über eine gewöhnliche Lehrer-Schüler-Beziehung hinausgehen. Die Aussage „Sohn Gottes“ benennt Jesu besondere Beziehung zu Gott, während „König Israels“ seine königliche Beziehung zum Volk Israel beschreibt.
Die Wortstellung und die doppelte Anrede σὺ verleihen dem Bekenntnis Nachdruck. Nathanael spricht nicht allgemein über eine noch unbestimmte Gestalt, sondern richtet jede Aussage unmittelbar auf Jesus: „Du bist … du bist …“.
