Johannes 1,17: Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit wurden durch Jesus Christus

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Griechischer Text:

ὅτι ὁ νόμος διὰ Μωϋσέως ἐδόθη, ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ἐγένετο.

Wort-für-Wort-Analyse

Griechisch Grundform Grammatische Bestimmung Wörtliche Bedeutung
ὅτι ὅτι unterordnende Konjunktion; hier begründend oder erklärend denn, weil, dass
bestimmter Artikel, Nominativ Singular Maskulinum der
νόμος νόμος Substantiv, Nominativ Singular Maskulinum Gesetz
διὰ διά Präposition mit Genitiv durch, mittels
Μωϋσέως Μωϋσῆς Eigenname, Genitiv Singular Maskulinum Moses, durch Mose
ἐδόθη δίδωμι Aorist Passiv Indikativ, 3. Person Singular wurde gegeben
bestimmter Artikel, Nominativ Singular Femininum die
χάρις χάρις Substantiv, Nominativ Singular Femininum Gnade, Gunst
καὶ καί beiordnende Konjunktion und
bestimmter Artikel, Nominativ Singular Femininum die
ἀλήθεια ἀλήθεια Substantiv, Nominativ Singular Femininum Wahrheit
διὰ διά Präposition mit Genitiv durch, mittels
Ἰησοῦ Ἰησοῦς Eigenname, Genitiv Singular Maskulinum Jesus, durch Jesus
Χριστοῦ Χριστός Substantiv beziehungsweise Titel, Genitiv Singular Maskulinum; mit Ἰησοῦ verbunden Christus, des Christus
ἐγένετο γίνομαι Aorist Medium Indikativ, 3. Person Singular wurde, entstand, kam zustande

Wörtliche Gesamtübersetzung

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit wurden durch Jesus Christus.

Die deutsche Pluralform „wurden“ ist in der Gesamtübersetzung die natürliche Angleichung an die Verbindung „die Gnade und die Wahrheit“. Im griechischen Text steht bei dieser Nominalgruppe jedoch das Singularverb ἐγένετο. Die grammatische Besonderheit wird in den folgenden Anmerkungen ausdrücklich erklärt.

Hinweise und Anmerkungen

ὅτι als anschließende und begründende Konjunktion

ὅτι kann je nach Zusammenhang „dass“, „weil“ oder „denn“ bedeuten. Hier steht es am Anfang der Aussage und schließt an den vorhergehenden Zusammenhang an. Zugleich leitet es eine Erklärung ein: Die in Vers 16 genannte Fülle und das Empfangen werden durch den Vergleich zwischen Gesetz sowie Gnade und Wahrheit näher erläutert.

Die Übersetzung „denn“ macht den begründenden oder erklärenden Anschluss sichtbar. Die Konjunktion selbst legt nicht fest, wie jede theologische Beziehung zwischen den beiden Satzteilen zu bewerten ist.

ὁ νόμος als Subjekt

ὁ νόμος steht im Nominativ Singular Maskulinum und ist das Subjekt des ersten Satzteils. Der Artikel ὁ und das Substantiv νόμος stimmen in Kasus, Numerus und Genus überein. Die Wortgruppe bedeutet wörtlich „das Gesetz“.

Das Subjekt steht vor der Präpositionalgruppe und vor dem Verb. Dadurch ist der erste Satzteil klar gegliedert: „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben.“

διὰ Μωϋσέως

διά steht hier mit dem Genitiv Μωϋσέως. Mit dem Genitiv bezeichnet διά grundsätzlich den Weg, das Mittel oder die Vermittlung: „durch“ oder „mittels“. Μωϋσέως ist der Genitiv Singular des Eigennamens Μωϋσῆς, „Mose“.

Die Präpositionalgruppe kann deshalb als Vermittlungs- oder Herkunftsangabe verstanden werden. Sie bezeichnet Mose als die Person, durch die das Gesetz gegeben wurde. Sie ist nicht das Subjekt des Satzes; das Subjekt bleibt ὁ νόμος.

ἐδόθη als Aorist Passiv von δίδωμι

ἐδόθη ist die dritte Person Singular im Aorist Passiv Indikativ von δίδωμι, „geben“. Die genaue wörtliche Bedeutung lautet „wurde gegeben“.

Der Aorist stellt den Vorgang des Gebens als zusammengefasste Tatsache dar. Das Passiv richtet den Blick auf das Gesetz als das Empfangene. Die Angabe διὰ Μωϋσέως nennt dabei die Vermittlung durch Mose, ohne dass an dieser Stelle ein grammatisch ausgedrückter Handelnder mit ὑπό genannt wird.

ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια

Die zweite Nominalgruppe besteht aus zwei Substantiven im Nominativ Singular Femininum: ἡ χάρις, „die Gnade“, und ἡ ἀλήθεια, „die Wahrheit“. Beide Substantive haben jeweils ihren eigenen bestimmten Artikel. καὶ verbindet sie miteinander.

Die Wiederholung des Artikels macht sichtbar, dass zwei koordinierte Nominalglieder vorliegen. Der Text verbindet also „die Gnade“ und „die Wahrheit“ miteinander, statt das zweite Wort lediglich als artikellose nähere Bestimmung des ersten zu setzen. Beide Glieder bilden zusammen das Subjekt des zweiten Satzteils.

διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ

Auch im zweiten Satzteil steht διά mit dem Genitiv. Ἰησοῦ und Χριστοῦ stehen beide im Genitiv Singular Maskulinum. Zusammen bilden sie den Namen und Titel „Jesus Christus“.

διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ kann daher mit „durch Jesus Christus“ übersetzt werden. Die parallele Verwendung von διά mit Genitiv in beiden Satzteilen stellt die Vermittlungsangaben einander gegenüber: „durch Mose“ und „durch Jesus Christus“. Der griechische Wortlaut beschreibt damit die jeweiligen Bezugs- oder Vermittlungsangaben der beiden Aussagen.

ἐγένετο als Aorist Medium von γίνομαι

ἐγένετο ist die dritte Person Singular im Aorist Medium Indikativ von γίνομαι. Das Verb kann „werden“, „entstehen“, „geschehen“, „zustande kommen“ oder „hervortreten“ bedeuten. Die Form ist Medium und nicht einfach ein Passiv von δίδωμι. Eine deutsche Wiedergabe mit „wurde“ kann im Zusammenhang verständlich sein, darf aber die griechische Form nicht unbemerkt in ein passives „wurde gegeben“ umdeuten.

Die wörtliche Bedeutungsrichtung lässt sich deshalb auch mit „entstand“ oder „kam zustande“ beschreiben. Je nach Übersetzungsziel kann „wurde“ die deutsche Satzverbindung besser lesbar machen, während „entstand“ oder „kam zustande“ die Eigenbedeutung von γίνομαι deutlicher hervorhebt.

Die Singularform ἐγένετο

Obwohl ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια aus zwei femininen Substantiven besteht, steht das Verb ἐγένετο im Singular. Der griechische Text legt damit eine singuläre Verbform vor, die bei der Übersetzung nicht einfach übergangen werden sollte.

Die Singularform kann syntaktisch damit zusammenhängen, dass die koordinierte Nominalgruppe als zusammengehörige Aussageeinheit behandelt wird. Ebenso kann die Verbkongruenz durch die innere Gewichtung der verbundenen Glieder beeinflusst sein. Aus der Singularform allein lässt sich jedoch keine unbelegte dogmatische Schlussfolgerung ableiten. Für die deutsche Gesamtübersetzung ist der Plural „wurden“ wegen des zusammengesetzten Subjekts idiomatischer, während die Wortanalyse die Singularform ἐγένετο sichtbar bewahrt.

Syntaktischer Aufbau

  1. ὅτι leitet die anschließende und begründende Erklärung ein.
  2. ὁ νόμος ist das Subjekt des ersten Satzteils.
  3. διὰ Μωϋσέως ist eine Präpositionalgruppe mit Genitiv und bezeichnet die Vermittlung durch Mose.
  4. ἐδόθη ist das finite Prädikat im Aorist Passiv: „wurde gegeben“.
  5. ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια ist die aus zwei artikulierten Nominalgliedern bestehende Subjektgruppe des zweiten Satzteils.
  6. διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ist parallel zu διὰ Μωϋσέως gebildet und bezeichnet die Vermittlungs- oder Herkunftsangabe mit Genitiv.
  7. ἐγένετο ist das finite Prädikat im Aorist Medium Singular und bedeutet je nach Übersetzungsentscheidung „wurde“, „entstand“ oder „kam zustande“.

Bedeutungs- und Übersetzungsnuancen

  • „gegeben“: ἐδόθη ist eindeutig die passive Aoristform von δίδωμι und bezeichnet das Geben des Gesetzes.
  • „wurde“: Diese Wiedergabe von ἐγένετο ist im Deutschen möglich, kann aber die Mediumform und die Eigenbedeutung von γίνομαι verdecken.
  • „entstand“ oder „kam zustande“: Diese Wiedergaben machen stärker sichtbar, dass γίνομαι nicht einfach „geben“ bedeutet.
  • „durch Mose“ und „durch Jesus Christus“: Beide Präpositionalgruppen stehen mit διά und Genitiv und bilden eine erkennbare Parallele.
  • Singular und Plural: Das Griechische hat ἐγένετο im Singular, während der deutsche Lesetext mit „wurden“ die koordinierte Nominalgruppe idiomatisch wiedergibt.

Zusammenfassung

Johannes 1,17 erklärt den vorhergehenden Zusammenhang durch zwei parallel gebaute Aussagen. Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, während die Gnade und die Wahrheit durch Jesus Christus in Erscheinung traten oder zustande kamen. Die beiden Präpositionalgruppen mit διά und Genitiv kennzeichnen die jeweiligen Vermittlungsangaben. Besonders zu beachten sind der Aorist Passiv ἐδόθη, der Aorist Medium ἐγένετο und die Singularform des zweiten Verbs trotz der Verbindung ἡ χάρις καὶ ἡ ἀλήθεια. Die grammatische Beobachtung wird dabei beschrieben, ohne aus der Verbform allein eine dogmatische Schlussfolgerung abzuleiten.

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