Johannes 1,12: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben

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Griechischer Originaltext

1,12 ὅσοι δὲ ἔλαβον αὐτόν, ἔδωκεν αὐτοῖς ἐξουσίαν τέκνα θεοῦ γενέσθαι, τοῖς πιστεύουσιν εἰς τὸ ὄνομα αὐτοῦ,

Wort-für-Wort-Analyse

Griechisches WortWörterbuchformGrammatische FormWörtliche Übersetzung
ὅσοιὅσοςKorrelativ beziehungsweise relativisch gebrauchtes Pronomen oder Adjektiv, Nominativ Maskulinum Pluralwie viele / so viele
δὲδέPostpositive Konjunktion oder Partikelaber / nun
ἔλαβονλαμβάνωAorist Aktiv Indikativ, 3. Person Plural; formal auch 1. Person Singularnahmen auf / empfingen
αὐτόναὐτόςPersonalpronomen, Akkusativ Maskulinum Singularihn
ἔδωκενδίδωμιAorist Aktiv Indikativ, 3. Person Singulargab
αὐτοῖςαὐτόςPersonalpronomen, Dativ Maskulinum oder Neutrum Pluralihnen
ἐξουσίανἐξουσίαAkkusativ Femininum SingularVollmacht / Recht
τέκνατέκνονAkkusativ Neutrum PluralKinder
θεοῦθεόςGenitiv Maskulinum SingularGottes
γενέσθαιγίνομαιAorist Medium, Infinitivzu werden
τοῖςBestimmter Artikel, Dativ Maskulinum oder Neutrum Pluraldenen
πιστεύουσινπιστεύωPräsens Aktiv, Partizip Dativ Maskulinum oder Neutrum PluralGlaubenden / die glauben
εἰςεἰςPräposition mit Akkusativauf / in
τὸBestimmter Artikel, Akkusativ Neutrum Singularden
ὄνομαὄνομαAkkusativ Neutrum SingularNamen
αὐτοῦαὐτόςPersonalpronomen, Genitiv Maskulinum oder Neutrum Singularseinen / von ihm

Wörtliche Gesamtübersetzung

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben,

Syntaktischer Aufbau

  • ὅσοι δὲ ἔλαβον αὐτόν bildet den einleitenden relativisch-korrelativen Teil des Satzes. ὅσοι steht im Nominativ Maskulinum Plural und ist das Subjekt zu ἔλαβον. Die Form bedeutet wörtlich „wie viele“ oder „so viele, die“. Zusammen mit δὲ ergibt sich „wie viele aber“ oder „so viele nun“. δὲ ist nach griechischer Wortstellung postpositiv und wird deshalb erst nach ὅσοι wiedergegeben.
  • ἔλαβον αὐτόν bedeutet „nahmen ihn auf“ oder „empfingen ihn“. ἔλαβον ist der Aorist Aktiv von λαμβάνω und steht hier wegen des Subjekts ὅσοι in der 3. Person Plural. Die Form kann isoliert auch als 1. Person Singular gelesen werden, doch das pluralische ὅσοι legt eindeutig die Bedeutung „sie nahmen auf“ fest. αὐτόν ist das direkte Objekt im Akkusativ.
  • ἔδωκεν αὐτοῖς ἐξουσίαν ist der Hauptsatz. ἔδωκεν ist die 3. Person Singular des Aorists von δίδωμι; das Subjekt ist aus dem vorausgehenden Zusammenhang erschlossen. αὐτοῖς steht im Dativ und bezeichnet die Empfänger: „ihnen“. ἐξουσίαν ist das direkte Objekt zu ἔδωκεν: „Vollmacht“, „Befugnis“ oder „Recht“.
  • τέκνα θεοῦ γενέσθαι ist ein vom Substantiv ἐξουσίαν abhängiger Infinitivsatz. Die Verbindung bedeutet „Vollmacht, Kinder Gottes zu werden“. τέκνα steht im Akkusativ Neutrum Plural und bildet mit θεοῦ die Akkusativkonstruktion zum Infinitiv γενέσθαι. θεοῦ ist ein Genitiv der Zugehörigkeit oder Beziehung: „Kinder Gottes“. Das semantisch verstandene Subjekt von „zu werden“ sind die Empfänger, die durch αὐτοῖς bezeichnet werden.
  • τοῖς πιστεύουσιν εἰς τὸ ὄνομα αὐτοῦ ist eine näher bestimmende beziehungsweise appositionelle Dativgruppe. τοῖς πιστεύουσιν ist ein substantiviertes Partizip im Dativ Plural und bezieht sich am natürlichsten auf αὐτοῖς: „ihnen, den Glaubenden“ oder „ihnen, die glauben“. Die Gruppe beschreibt näher, wer mit den Empfängern gemeint ist. Sie ist kein neues Akkusativobjekt, sondern steht in derselben Dativsphäre wie αὐτοῖς.

Hinweise und Anmerkungen

ὅσοι ist die Form von ὅσος im Nominativ Maskulinum Plural. Das Wort kann als relativisches oder korrelatives Element gebraucht werden. In diesem Vers eröffnet es die Gruppe „wie viele ihn aufnahmen“ und steht zugleich im Gegensatz zu denjenigen, die ihn nach Johannes 1,11 nicht aufnahmen. Die wörtliche Wiedergabe „wie viele“ bewahrt die offene, gruppenbezogene Bedeutung besser als eine bloße Aufzählung von Personen.

Das Verb ἔλαβον steht im Aorist Aktiv und bezeichnet das Aufnehmen als zusammengefasste Handlung. Der Aorist muss dabei nicht auf einen einzigen kurzen Zeitpunkt begrenzt werden. λαμβάνω kann zunächst „nehmen“ bedeuten, erhält mit αὐτόν hier aber die Bedeutung „ihn aufnehmen“ oder „ihn annehmen“. „Empfingen“ ist eine weitere mögliche Wiedergabe; die wörtliche Übersetzung im Titel verwendet „aufnahmen“.

Bei ἔδωκεν αὐτοῖς ist αὐτοῖς der Dativ der Empfänger. Das Verb δίδωμι bedeutet „geben“, und die Konstruktion lässt sich wörtlich als „er gab ihnen“ wiedergeben. Das im Griechischen nicht erneut ausgesprochene Subjekt wird aus dem vorausgehenden Zusammenhang übernommen. Das Singularverb ἔδωκεν passt zu diesem erschlossenen Subjekt, während αὐτοῖς die Mehrzahl der Empfänger bezeichnet.

ἐξουσία kann je nach Zusammenhang „Vollmacht“, „Befugnis“, „Recht“ oder „Macht“ bedeuten. In der Verbindung mit γενέσθαι geht es um die verliehene Berechtigung oder Befugnis, „Kinder Gottes zu werden“. Die Übersetzung „Vollmacht“ bleibt nahe am Grundsinn, während „das Recht, Kinder Gottes zu werden“ die deutsche Satzstruktur stärker glättet.

γενέσθαι ist der Aorist-Medium-Infinitiv von γίνομαι. Das Verb hat hier die Bedeutung „werden“ oder „in einen Zustand gelangen“. Die Mediumform ist die reguläre Form dieses Verbs mit aktivischer beziehungsweise intransitiver Bedeutung. Der Infinitiv hängt von ἐξουσίαν ab und bezeichnet, wozu die Vollmacht gegeben wurde: „Kinder Gottes zu werden“.

Die Gruppe τοῖς πιστεύουσιν steht im Dativ Plural. Das Partizip πιστεύουσιν ist substantiviert und wird durch den Artikel τοῖς bestimmt. Wegen der Form des Dativ Plurals kann das Genus allein nicht entscheiden, ob maskuline oder neutrale Personen beziehungsweise Dinge gemeint sind. Der Zusammenhang mit αὐτοῖς und die Personenbedeutung des Satzes führen hier zur Übersetzung „denen, die glauben“. Die Gruppe kann zugleich als nähere Erläuterung der Empfänger verstanden werden: Es sind diejenigen, die glauben.

Bei πιστεύουσιν εἰς τὸ ὄνομα αὐτοῦ steht πιστεύω mit εἰς und dem Akkusativ. εἰς τὸ ὄνομα bedeutet wörtlich „in den Namen“ oder „auf den Namen hin“. Die feste Verbindung wird im Deutschen gewöhnlich mit „an seinen Namen glauben“ oder „an seinen Namen glauben und sich darauf ausrichten“ wiedergegeben. „An seinen Namen glauben“ ist die gewählte Übersetzung; eine sinngemäße Deutung darf die Präposition nicht unsichtbar machen.

τὸ ὄνομα αὐτοῦ bedeutet wörtlich „der Name von ihm“ beziehungsweise „sein Name“. αὐτοῦ steht im Genitiv Singular und bestimmt ὄνομα näher. Der Ausdruck „Name“ kann im biblischen Sprachgebrauch die benannte Person und ihre Offenbarung mit einschließen. Diese weitergehende Bedeutungsnuance ist eine kontextuelle Auslegung; grammatisch bleibt die unmittelbare Übersetzung „sein Name“.

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